Vier Berge in der Nähe
der Stadt St. Veit an der Glan –
im Mittelalter die Hauptstadt Kärntens –
spielen für einen außergewöhnlichen Brauch eine wichtige Rolle:
- Magdalensberg,
1059 m
- Ulrichsberg,
1022 m
- Veitsberg,
1171 m
- Lorenziberg,
971 m
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 Jedes
Jahr am zweiten Freitag nach Ostern, am "Dreinagelfreitag" (so
benannt nach den drei Nägeln, mit denen Jesus ans Kreuz geheftet wurde),
führt vom ersten über die beiden nächsten bis zum vierten Berggipfel eine
Wallfahrt, die "Vierbergelauf" heißt. Heuer fiel dieser Freitag
auf den 23. April.
Einige tausend Pilger legen eine Strecke von über 50 Kilometern
innerhalb von ca. 16 Stunden zurück. 5 heilige Messen werden
auf diesem Weg gelesen und 3 religiöse Andachten gehalten. Der
Zug der Wallfahrer, die unterwegs zahlreiche Rosenkränze und Litaneien
beten sollen, wird angeführt von Kreuzträgern und Vorbetern.
Die Teilnehmer –
genannt die "(Vier)bergler" –
erhoffen sich, dass der geheime Wunsch, den sie auf den beschwerlichen
Pilgerweg mitnehmen, in Erfüllung geht und dass sie von ihrer
Sündenschuld befreit werden. In den Beschwernissen der Fußwanderung
wird das Leiden Christi nachempfunden. Wer
dreimal am Vierbergelauf teilnimmt, dem soll ein Platz im Paradies gesichert
sein.
Der Brauch des Vierbergelaufs darf niemals aufhören, sonst würde die Welt
untergehen.
Zeitlicher Ablauf von der Mitternachtsmesse auf dem Magdalensberg bis zur Schlussandacht auf dem Lorenziberg:
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5 Messen: 0:00 Uhr (Magdalensberg) – 4:30 Uhr (Pörtschach am Berg) – 7:00
Uhr (Feldmesse mit dem Diözesanbischof in Karnberg) – 8:00 Uhr (Zweikirchen) – 11:00 Uhr (Liemberg)
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3 Andachten: 13:30 Uhr (Gradenegg) – 15:00 Uhr (Sörg) – 16.30 Uhr (Lorenziberg)
Die Wallfahrer werden von den Bauern, die an dem Pilgerweg wohnen, mit Brot, Most, Milch und Äpfeln bewirtet.
Den Kindern, die am Wegrand warten, schenken die Pilger Süßigkeiten.
Zwei Besonderheiten verdienen Beachtung:
- das "Berglerlaub" (oder
Bergerlaub): Viele Pilger sammeln auf den Bergen Triebe oder
Zweige bestimmter immergrüner Pflanzen (z.B. Bärlapp, Wacholder, Efeu,
Fichte, Buchsbaum), die als Büschel auf die vorangetragenen Kreuze,
auf die Hüte oder Rucksäcke gesteckt werden. Die geweihten Zweige werden
nach Hause mitgenommen und für kultische Zwecke bzw. religiöse Rituale
aufbewahrt. Sie schützen vor dem Teufel, vor Hexen und Zauberern. (weitere
Informationen
)
- der "Körnertausch":
Einige Wallfahrer tauschen eine Handvoll mitgebrachter Getreidekörner gegen
geweihte Körner, die an bestimmten Orten in Schalen oder Körben bereitstehen.
Die geweihten Körner mischen sie daheim unter das Saatgetreide. Davon erhoffen
sie sich eine reiche Ernte.
Ist der Vierbergelauf eine von
jeher christliche Wallfahrt oder ein christlich überformter vorchristlicher
Brauch?
Früher hat man vermutet,
dass diesem Brauch ein alter Fruchtbarkeitskult zugrundeliegt, der
bis in die keltische Zeit zurückreicht.
Die Kelten lebten hier in den vorchristlichen Jahrhunderten in einem Königreich
namens Noricum, das die Römer im Jahr 15 v. Chr. eroberten und annektierten.
Aber historisch nachweisen lässt sich der Brauch, der sich im Lauf der Jahrhunderte
immer wieder gewandelt hat, erst seit dem späten Mittelalter.
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