DER
VIER-BERGE-MARSCH
Ein
Interview mit Hans Zeiringer
von Johannes Zeiringer
Servus Hans! Wenn
du dich bitte kurz den Lesern vorstellen würdest.
Grüß Gott, mein Name ist
Hans Zeiringer, ich bin 64 Jahre alt und wohne in Passering.
Wann bist du das erste
Mal beim Vier-Berge-Marsch mitgegangen?
Das erste Mal bin ich 1970
im Alter von 30 Jahren mitgegangen.
Und warum wolltest du mitgehen?
Gab es einen besonderen Grund dafür?
In erster Linie war es natürlich
Neugier und es war auch eine Herausforderung. Für den 1. Marsch haben ich
und meine Freunde trainiert wie für einen Marathon.
Könntest du mir etwas über
die Hintergründe des Vier-Berge-Marsches erzählen?
Der Vier-Berge-Marsch war
früher und ist auch heute eigentlich noch eine Bitt-Prozession.
Am Anfang sind überwiegend
Krappfelder Bauern mitgegangen um Erntesegen zu erbitten, denn der Boden
war früher im Krappfeld sehr unfruchtbar. Manche Forscher führen den Ursprung
des Vier-Berge-Marsches auf die Kelten zurück, da sich zufällig auf den
4 Bergen Kultstätten der Kelten befinden.
Erzähl bitte kurz über
die Route und den Ablauf des Vier-Berge-Marsches!
Also, der Vier-Berge-Marsch
beginnt um 11 Uhr mit dem Kreuzweg am Magdalensberg. Der offizielle Beginn
ist die Mitternachtsmesse um Punkt 12 Uhr. Danach geht es Richtung Pörtschach
am Berg, wo um 4:30 Uhr die Frühmesse gehalten wird. Auf dem Ulrichsberg
wird eine Andacht gehalten wird, und weiter geht es Richtung Karnberg.
Dort wird die so genannte Bischofsmesse
vom Bischof auf einem Feld gelesen. Nach der Messe ist es nicht mehr weit
bis nach Zweikirchen. Um ca. 8 Uhr wird dort wieder eine Messe gefeiert.
In der Folge wandert man man eine weite Strecke über das Glantal und dann
aufwärts über den Kulm nach Liemberg. Dort wird um 10:45 Uhr die letzte
Messe gelesen, denn Messen dürfen nur am Vormittag gehalten werden. Der
weitere Weg führt auf den Veitsberg und dann über die "Höll" nach Gradenegg.
Dort halten die Gläubigen um 13:45 Uhr die erste Andacht ab, in Sörg um
15 Uhr die nächste. Abschließend geht es zum Schlussspurt auf den Lorenziberg,
auf dem man vor 17 Uhr sein sollte, sonst - heißt es - hole einen der
Teufel.
Was bzw. wer hat großen
Einfluss auf den Vier-Berge-Marsch?
Am wichtigsten ist das Schuhwerk.
Es soll bequem sein und nicht drücken. Das Wetter spielt auch eine große
Rolle und die Kreuzträger, denn sie geben das Tempo vor.
Inwiefern hat sich der
Vier-Berge-Marsch mit der Zeit gewandelt?
Der größte Unterschied ist
die Teilnehmerzahl. Um 1970 gab es ca. 150 "Vierbergler", nun sind es zwischen
drei- und viertausend. Früher war es fast eine Pflicht bei jeder Messe
und Andacht dabei zu sein, nun gehen manche nur so mit um fit zu bleiben.
Ich persönlich gehe jede Andacht und Messe.
Welche Bräuche gibt es
beim Vier-Berge-Marsch?
Als Erstes einmal die Haltung
des Kreuzes: Die Kreuzträger sollen das Kreuz immer mit der Vorderseite
zum Volk, also nach hinten, tragen, denn man soll während des ganzen Vier-Berge-Marsches
eigentlich den Rosenkranz beten. Eine weitere Eigenheit ist die Kreuzumarmung.
Die Kreuzträger warten vor einer Kirche zusammen und der Mesner oder der
Pfarrer holt sie ab, wobei die Kreuze sich gegenseitig "abhalsen". Auch
das "Berglerlaub" ist etwas Besonderes. Für jeden Berg ist eine Pflanze typisch und
man steckt sich die Zweige auf den Hut. In Zweikirchen kann man die Kirchenglocke
läuten und sich dabei etwas wünschen. Ebenfalls in Zweikirchen bekommt man für
ein bisschen Geld Getreide, das zum eigenen zuzumischen ist, um es fruchtbarer
zu machen. Auch ein Brauch ist es, den bettelnden Kindern Süßes oder
ein bisschen Geld zu geben.
Du bist selbst auch Kreuzträger:
Seit wann machst du das und wie kamst du dazu?
Ich habe unser "Passeringer
Kreuz" 1981 in Auftrag gegeben und trug es seit 1982 jedes Jahr außer
zweimal: Einmal hatte ich einen Kreuzbandriss und konnte nicht mitgehen,
und letztes Jahr habe ich das Kreuz meinem Neffen Karl weitergegeben, da
ich mit meinem Herzschrittmacher das Kreuz nicht mehr tragen kann.
Trainierst du für den Vier-Berge-Marsch?
Ich gehe jedes Jahr am Ostermontag
nach Maria Hilf, um meine Schuhe einzugehen. Sonst habe ich nicht viel
Training.
Was macht den Vier-Berge-Marsch
so besonders?
Ich denke das Besondere ist,
dass keine Organisation dahinter steht. Man wollte mir einmal eine Medaille
verleihen, doch ich lehnte ab, denn sonst hätte es organisiert gewirkt
und das wollte ich vermeiden.
Wie lange willst du noch
mitgehen?
Ich habe mir nie vorgenommen,
wie oft ich mitgehe, aber ich will so oft mitgehen,
wie es meine Gesundheit zulässt.
Ich bedanke mich bei dir
für dieses Interview!
Es war auch meinerseits eine Freude, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben.
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