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 Berglerlaub

Ein Brauch, der in recht alte Zeiten zurückgehen dürfte, ist das Sammeln von bestimmten Pflanzen während der Wallfahrt.

Die Pilger befestigen Büschel von Bärlapp, Efeu, Fichte, Wacholder und Buchsbaum an ihren Rucksäcken und am Wanderstab, oder stecken sie sich an den Hut. Auch die mitgebrachten Kruzifixe werden mit diesen Zweigen geschmückt.

Von jedem Berg nehmen die Wanderer eine andere immergrüne Pflanze mit. Grün als Symbol des Erwachens der Natur nach dem Winter, als Symbol des Lebens und Überlebens. Jede dieser Pflanzen hat ihre besondere Bedeutung.

Bärlapp (Lucopodium clavatum) ist die Pflanze des Magdalensbergs. Allerdings ist es wohl schwer, sie bei Dunkelheit zu finden, wenn am Gipfel des Magdalensbergs um Mitternacht die Wallfahrt beginnt. Stockdunkel ist es vor allem auch, da der Dreinagelfreitag - vierzehn Tage nach dem Karfreitag - immer nahe dem Neumond ist.

Aber einige der Pilger sind schon am Tag zuvor aufgebrochen. So die Gruppe aus Sörg, die über den Lorenziberg und St. Veit wandert oder die Gruppe aus Maria Wolschart, die ihren Weg über St. Georgen und über St. Sebastian gewählt hat. Diese Pilger bringen oft für andere, die sie erst am Magdalensberg treffen, die begehrten Bärlappzweige mit.

Die meisten Pilger müssen sich allerdings mit den - auch bei Dunkelheit - leichter zu findenden Zweigen von Fichte und Wacholder zufrieden geben.

Warum gerade Bärlapp? Diese Pflanze hat eine alte Tradition und wurde bereits von Druiden geschätzt, denn sie soll vor vielen Schäden bewahren. Die gelblichen Sporen sind in der Volksheilkunde als Hexenmehl bekannt, das bei Hautkrankheiten und Wunden angewendet wird oder bei Blitzgefahr ins Feuer gestreut wurde.

Den Efeu (Hedera helix) am Ulrichsberg findet man leicht und überall. Viele stecken sich schon bei Pörtschach am Berg einen Efeuzweig an. In der griechischen Mythologie gilt der Efeu als Sinnbild der Unsterblichkeit der Seele. Außerdem ist er ein Symbol der Freundschaft.

Fichte (Picea abies), die Pflanze des Veitsbergs, ist ein Zeichen des Neubeginns zwischen Mensch und Gott.

Am Lorenziberg kommt noch ein Zweig Wacholder (Juniperus communis) hinzu. Früher glaubte man, mit Wacholder böse Geister vertreiben zu können.

Der Buchsbaum (Buxus sempervirens) wird von vielen Wallfahrern ebenfalls zum Berglerlaub-Büschel dazugesteckt. Diese Pflanze ist kein heimisches Gewächs, aber man findet sie bei vielen Bauernhäusern, denn auch ihr werden magische Kräfte zugeschrieben. So wird Buchsbaum bei einigen alten Ritualen verwendet.

Nach der Wallfahrt nehmen die Pilger das Berglerlaub (manchmal Bergerlaub genannt) mit nach Hause. Hier soll es Haus und Hof und deren Bewohner vor Unheil schützen.

Stefan Buchleitner

ap