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Irrational erscheinende Farbwirkungen
verweisen oft auf alte Verfahren der Farbgewinnung
und der Färberei.
Blau
Blaue Farbe wurde in früheren Zeiten
aus der Waidpflanze gewonnen. Die Blätter wurden an
der Sonne getrocknet und schließlich tagelang in Urin eingelegt, um den Farbstoff
herauszulösen. Besonders gut wurde die Farbe, wenn der Urin von Männern kam, die zuvor
Alkohol getrunken hatten. Abgesehen vom Gestank war die Blaufärberei also eine
angenehme Arbeit, man arbeitete im Freien und es gab reichlich zu trinken. Wenn Färber am
hellen Tag betrunken in der Sonne lagen, dann wusste jeder: Die machen Blau. Und wer Blau
machte, der war blau. Da der Waidanbau im deutschsprachigen Raum besonders verbreitet
war, haben sich diese Redensarten in unserer Sprache durchgesetzt.
Rot
Das edelste Rot ist Purpurrot, die Symbolfarbe
der Macht. Der echte Purpur ist eigentlich
violett und die Herstellung war ein Geheimnis des byzantinischen Hofes. Mit dem Untergang
Konstantinopels ging das Geheimnis verloren und der Purpur musste nun mit dem
zweitteuersten Stoff hergestellt werden und der war rot. Das unechte Purpurrot wurde aus
getrockneten weiblichen Schildläusen hergestellt, dies war langwierig und mühsam und daher
entsprechend teuer. Auch die anderen roten Farbstoffe waren teuer in der Herstellung, hinzu
kam der Glaube, dass rote Kleidung Stärke und Macht verleihe. Daher war das Tragen roter
Kleidung auf den Adelsstand beschränkt und bis Ende des 19.Jhdts. auch für
Soldatenuniformen sehr beliebt.
Grün
Wie es zur Bedeutung des Wortes „giftgrün
kam, wurde bereits erklärt. Nicht nur Grünspan
und Arsen wurden zur Herstellung verwendet, sondern auch andere giftige Substanzen, wie
Chlorlösungen, Methyl und Bittermandelöl.
Grün war aber vor allem bei der Einrichtung
beliebt, es wirkt angenehm auf das Auge, nicht
nur beim Kartenspielen und Würfeln auf grünem Filz, sondern auch auf Schultafeln, in
Kanzleien, Hörsälen und Bibliotheken.
Gelb
Leuchtendes Gelb konnte früher nur
auf Seide gefärbt werden, auf allen anderen Stoffen
wirkte es schmutzig, billig und fahl. Fahles Gelb wirkte vergilbt, somit war es als Kleiderfarbe
recht unbeliebt, denn man sah damit blass und krank aus. Zudem war Gelb die Farbe der
Geächteten, man konnte sich mit gelber Kleidung auch im Dunkeln nicht verstecken und so
mussten Prostituierte gelbe Kopftücher tragen, Frauen mit unehelichen Kindern gelbe Kleider,
wer Schulden hatte, musste gelbe Scheiben auf die Kleidung nähen.
Weiß
Die Französische Revolution war der
endgültige Sieg des Bürgertums über den Adel. Die
vom Adel geprägte Mode war Demonstration des Reichtums, damit konnte das Bürgertum
nicht konkurrieren, daher stellte man geistige Größe zur Schau. Es war die Epoche des
Klassizismus, und die weiße Mode war klassisch- griechisch. Weiß blieb jahrzehntelang die
eleganteste Farbe der Damenmode, denn Weiß signalisierte den gesellschaftlichen Status
der Trägerin. Die Dame in Weiß hatte Dienstboten, an die sie jede das Kleid beschmutzende
Tätigkeit delegierte.
Schwarz
Schönfärber und Schwarzfärber
gab es im Mittelalter. Der Schönfärber färbte die leuchtenden
Farben, die zugleich die teuren waren, und damit wurden nur teure Stoffe gefärbt. Manchmal
wurde aber betrogen, billigere Stoffe wurden mit teuren Farben gefärbt, um sie aufzuwerten.
So entstand die Redensart „Das ist nur Schönfärberei. Der Schwarzfärber färbte
neben
Schwarz auch Braun und Waidblau.
Literatur: Eva Heller „Wie Farben wirken Links: www.farbenundleben.de
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