2.5 traditionelle Wirkung
Irrational erscheinende Farbwirkungen verweisen oft auf alte Verfahren der Farbgewinnung und der Färberei.
Blau
Blaue Farbe wurde in früheren Zeiten aus der Waidpflanze gewonnen. Die Blätter wurden an der Sonne getrocknet und schließlich tagelang in Urin eingelegt, um den Farbstoff herauszulösen. Besonders gut wurde die Farbe, wenn der Urin von Männern kam, die zuvor Alkohol getrunken hatten. Abgesehen vom Gestank war die Blaufärberei also eine angenehme Arbeit, man arbeitete im Freien und es gab reichlich zu trinken. Wenn Färber am hellen Tag betrunken in der Sonne lagen, dann wusste jeder: Die machen Blau. Und wer Blau machte, der war blau. Da der Waidanbau im deutschsprachigen Raum besonders verbreitet war, haben sich diese Redensarten in unserer Sprache durchgesetzt.
Rot
Das edelste Rot ist Purpurrot, die Symbolfarbe der Macht. Der echte Purpur ist eigentlich violett und die Herstellung war ein Geheimnis des byzantinischen Hofes. Mit dem Untergang Konstantinopels ging das Geheimnis verloren und der Purpur musste nun mit dem zweitteuersten Stoff hergestellt werden und der war rot. Das unechte Purpurrot wurde aus getrockneten weiblichen Schildläusen hergestellt, dies war langwierig und mühsam und daher entsprechend teuer. Auch die anderen roten Farbstoffe waren teuer in der Herstellung, hinzu kam der Glaube, dass rote Kleidung Stärke und Macht verleihe. Daher war das Tragen roter Kleidung auf den Adelsstand beschränkt und bis Ende des 19.Jhdts. auch für Soldatenuniformen sehr beliebt.
Grün
Wie es zur Bedeutung des Wortes „giftgrün“ kam, wurde bereits erklärt. Nicht nur Grünspan und Arsen wurden zur Herstellung verwendet, sondern auch andere giftige Substanzen, wie Chlorlösungen, Methyl und Bittermandelöl.
Grün war aber vor allem bei der Einrichtung beliebt, es wirkt angenehm auf das Auge, nicht nur beim Kartenspielen und Würfeln auf grünem Filz, sondern auch auf Schultafeln, in Kanzleien, Hörsälen und Bibliotheken.
Gelb
Leuchtendes Gelb konnte früher nur auf Seide gefärbt werden, auf allen anderen Stoffen wirkte es schmutzig, billig und fahl. Fahles Gelb wirkte vergilbt, somit war es als Kleiderfarbe recht unbeliebt, denn man sah damit blass und krank aus. Zudem war Gelb die Farbe der Geächteten, man konnte sich mit gelber Kleidung auch im Dunkeln nicht verstecken und so mussten Prostituierte gelbe Kopftücher tragen, Frauen mit unehelichen Kindern gelbe Kleider, wer Schulden hatte, musste gelbe Scheiben auf die Kleidung nähen.
Weiß
Die Französische Revolution war der endgültige Sieg des Bürgertums über den Adel. Die vom Adel geprägte Mode war Demonstration des Reichtums, damit konnte das Bürgertum nicht konkurrieren, daher stellte man geistige Größe zur Schau. Es war die Epoche des Klassizismus, und die weiße Mode war klassisch- griechisch. Weiß blieb jahrzehntelang die eleganteste Farbe der Damenmode, denn Weiß signalisierte den gesellschaftlichen Status der Trägerin. Die Dame in Weiß hatte Dienstboten, an die sie jede das Kleid beschmutzende Tätigkeit delegierte.
Schwarz
Schönfärber und Schwarzfärber gab es im Mittelalter. Der Schönfärber färbte die leuchtenden Farben, die zugleich die teuren waren, und damit wurden nur teure Stoffe gefärbt. Manchmal wurde aber betrogen, billigere Stoffe wurden mit teuren Farben gefärbt, um sie aufzuwerten. So entstand die Redensart „Das ist nur Schönfärberei“. Der Schwarzfärber färbte neben Schwarz auch Braun und Waidblau.

Literatur: Eva Heller – „Wie Farben wirken“ Links: www.farbenundleben.de
          www.farbenlehre.com
          www.metacolor.de