2.2 symbolische Wirkung
Farben können Begriffen zugeschrieben werden, die keine reale Farbe haben. Wie bei der eng verknüpften psychologischen Wirkung, beruhen diese Zuordnungen auf Erfahrungen, nur sind diese Erfahrungen nicht persönlich, sondern jahrhundertealte Überlieferungen.
Blau
_Treue
Treue hat mit Ferne zu tun, denn Treue erweist sich erst, wenn Gelegenheit zur Untreue gegeben ist. Die Treue ist keine Tugend, die zur Schau gestellt wird, und unscheinbar sind auch die blauen Blumen, die Treue symbolisieren (Veilchen, Vergissmeinnicht, Männertreu,..).
_Sehnsucht
Wie die Treue ist die Sehnsucht mit der Ferne verbunden und daher blau.
_Phantasie
Blau charakterisiert utopische Ideen, deren Verwirklichung in der Ferne liegt. In alten Redensarten wird Blau noch direkt mit der Lüge verbunden („das Blaue vom Himmel lügen“, in der Stunde der Wahrheit sein „blaues“ Wunder erleben,….).
_Entspannung und Stille
Grün-Blau-Weiß ist die Farbkombination der Erholung. Blau ist das zurückgezogen- selbstgenügsame Moment der Erholung. Grün ist der eher aktive Aspekt, die Freizeitgestaltung in der Natur. Weiß, die Abwesenheit aller Farben, drückt somit auch die Abwesenheit aller Aufregung aus.
_Geistige Tugenden
In alter Symbolik ist Blau die Farbe geistiger Erkenntnis, im Gegensatz zu Rot, der Farbe des Körperlichen.
_Göttliches
Götter leben im Himmel, Blau ist die Farbe die sie umgibt. Als Farbe des Göttlichen ist Blau die Farbe der Ewigkeit und somit auch der Wahrheit.
Rot
_Unmoral
Die Hölle ist rot, auch im Diesseits. Im Rotlichtbezirk, im Schummerlicht der roten Laternen, herrscht die Unmoral. Das Rot der Erotik, der Sexualität verbindet sich mit dem Schwarz der Sünde und dem lasterhaften Violett. Die heutige Moral der „Normalität“, setzt unauffällige Farben mit charakterlicher Seriosität gleich und lehnt auffällige Kleidung als unseriös ab.

Grün
_Hoffnung
Die Idee der grünen Hoffnung ist verwandt mit der Erfahrung des Frühlings. Frühling bedeutet Erneuerung nach einer Zeit der Entbehrungen.
_Gift
Als Malerfarbe wurde Grün zur Farbe des Giftes. Früher enthielten fast alle grünen Lacke, Textilfarben, Wasser- und Ölfarben Kupfer- Grünspan und Arsen. Angeblich war Napoleons Vorliebe für diese Farbe auch sein Todesurteil, er starb laut neuesten Erkenntnissen an einer schleichenden Arsenvergiftung.
Gelb
_Reife
Gelb als Farbe der Ähren, der Herbstblätter und auch des Sommers symbolisiert für uns die Reife.
_Ärger, Neid und Geiz
Nach altem Glauben sitzt der Ärger in der Galle. Wer sich viel ärgert, wird gallenkrank. Ein Symptom ist gelbliche Haut. Das Wort Galle ist außerdem mit dem Wort Gelb verwandt.
Weil die Galle gelb-grün ist, ist grün die zweite Farbe der egoistischen Eigenschaften.
Weiß
_Unschuld
Als Farbe der Reinheit und der Vollkommenheit, steht Weiß auch für die Unschuld. Wer sich im alten Rom für ein politisches Amt bewarb, musste erst der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen, bekleidet mit einer weißen Toga. Daher rührt die sprichwörtlich weiße Weste und die Bezeichnung „Kandidat“, welche sich vom lateinischen „candidus“ (glänzendes Weiß) ableitet.
_Wahrheit
Weiß oder Schwarz, Ja oder Nein, dazwischen soll es nichts geben. Weiß steht nicht nur für die Unschuld sondern auch für die Eindeutigkeit, beides wiederum steht für die Wahrheit.
_Anfang
Weiß ist eine absolute Farbe, Weiß ist der Anfang, Schwarz ist das Ende. Ein besonderes Symbol des Anfangs und der Auferstehung ist das weiße Ei. Verstorbene werden mit einem weißen Totenhemd bekleidet, darum spuken auch Gespenster in weiß.
_Leere und Einsamkeit
In vielen Sprachen ist weiß gleichbedeutend mit leer, im übertragenen Sinn ist Weiß auch die Farbe der Einsamkeit und des Unbekannten.
Schwarz
_Negative Gefühle
„Schwarz sehen“, „Schwarz malen“, „Schwarzer Humor“, „ein schwarzes Herz“,…in unserer Sprache gibt es viele Beispiele für die negative Bedeutung der Farbe Schwarz. Grau, die Farbe der Tristesse, in Verbindung mit Schwarz charakterisiert die negativen Gefühle, die gegen einen selbst gerichtet sind.
_Unglück
Auch diese negative Bedeutung wird mit der Farbe Schwarz assoziiert. Pech, eigentlich schwarzer Holzkohlenteer, wurde wegen seiner Farbe zum Synonym für das Unglück. Auch hier finden sich viele Beispiele im Sprachgebrauch: Pechvögel, Unglücksraben, Pechsträhnen, schwarze Tage und die unheilvollen schwarzen Katzen.
_Illegalität und Anarchie
Das Attribut Schwarz verweist auf Verbotenes: Schwarzarbeit, Schwarzhandel, Schwarzgeld, Schwarzfahrer, Schwarzhörer und Schwarzseher.

Die Farbe Schwarz und der schwarze Stern sind auch Symbole der Anarchisten.