2.3 kulturelle Wirkung
Unterschiedliche Lebensweisen in verschiedenen Kulturen bedingen unterschiedliche Farbwirkungen. In jeder Kultur gelten die hochgeachteten Farben als männlich, die zweitrangigen als weiblich.
Blau
Viele Farbwirkungen sind nationale Besonderheiten. Wenn ein Engländer blau ist, ist er melancholisch, wenn ein Deutscher blau ist, ist er betrunken. Russen mit blauem Charakter sind besonders sanftmütig, ein himmelblaues Mädchen ist besonders schüchtern.
Rot
Wo die Hitze der Sonne das Leben bedroht, gilt Rot als Farbe des Dämonischen. Im alten Ägypten war Rot das Symbol für Böses und Zerstörerisches. „Rot machen“ bedeutete töten.
In kalten Ländern, wo man sich nach Wärme sehnt, hat Rot nur positive Bedeutung. Im Russischen ist rot gleichbedeutend mit „wertvoll“ und „schön“. Die „rote Ecke“ war der Ehrenplatz für die Ikonen. Ein „rotes Wort“ ist eine geistreiche Bemerkung.
Grün
In Europa ist Grün die normale Landschaftsfarbe, für Wüstenvölker aber ist es die Farbe des Paradieses und daher auch die heilige Farbe des Islam. Der höchste ägyptische Gott Osiris hat eine grüne Hautfarbe. Eine spezielle Bedeutung hat die Farbe Grün in Irland. Es ist die Nationalfarbe der grünen Insel und gleichzeitig die Farbe des Katholizismus, ein Katholik wird dort als „Grüner“ bezeichnet.
Gelb
Farbe der Glückseligkeit, Farbe des Ruhms, Farbe der Weisheit, Farbe der Harmonie, die Farbe der höchsten Kultur- das ist Gelb in Asien. Chinesen erleben das Gelb als lebensspendende Naturkraft: Nordchina wird ständig von Staub aus der Wüste Gobi überzogen, es ist gelber Lößstaub, der zu fruchtbarem Ackerboden wird.
In der jüdischen und christlichen Kirche ist Gelb als liturgische Farbe verboten.
Die Juden mussten daher die Farbe Gelb als Farbe der Diskriminierung erleben, indem die Nationalsozialisten sie zwangen den gelben Davidstern zu tragen.
Weiß
In Asien, Heimat der religiösen Idee der Reinkarnation, ist Weiß die Trauerfarbe. Für die Entstehung dieser Tradition ist nicht nur die Symbolik der Wiederauferstehung verantwortlich sondern auch der Umstand, dass dort die Baumwolle wächst, das wichtigste Material für weiße Stoffe. Weiß ist vor allem auch in Kulturen Trauerfarbe, bei denen Schwarz ein Fruchtbarkeitssymbol ist. Auch in Europa war Weiß als Trauerfarbe verbreitet, Königinnen und Fürstinnen trauerten in Weiß, denn ihr Status hätte es ihnen verboten, wie gewöhnliche Menschen in Schwarz zu trauern.
In Amerika und England wurde der weiße Hemdkragen zum sichtbaren Zeichen des beruflichen Status, ein weißes Hemd war die Standardkleidung derjenigen, die sich bei der Arbeit nicht schmutzig machten. Noch heute unterscheidet man zwischen „blue collar workers“( Arbeitern) und „white collar workers“ (Angestellten).
Schwarz
Je mehr der irdische Tod in einer Religion betrauert wird, desto mehr wird Schwarz zur Trauerfarbe. Überall gilt es jedoch, in Zeiten der Trauer sein Äußeres zu vernachlässigen, dies bedeutet den Verzicht auf farbenfrohe Kleidung und auf dekorativen Schmuck.
Schwarz wurde auch zur Farbe der Geistlichkeit im Christentum, unauffällige Farben sollten Demut symbolisieren. Die Farbe der Geistlichkeit wurde zur Farbe des politischen Konservatismus, wer heute schwarz wählt, wählt konservativ.
In Afrika ist Schwarz die schönste Farbe. Sie steht für das afrikanische Volk und für die fruchtbare schwarze Erde. Das Freiheitssymbol ist ein fünfzackiger schwarzer Stern, der in rot auch als kommunistisches Symbol bekannt ist.