3.2 kulturelle Unterschiede
Unterschiedliche Lebensbedingungen führen zu unterschiedlicher Prioritätensetzung und somit auch zu Unterschieden in der Wahrnehmung.
In der Farbwahrnehmung wird dies deutlich: Beispielsweise hatte die Farbe Orange für den Stamm der Zuni-Indianer keine Bedeutung. Sie kam in ihrer Umwelt nicht vor, demnach wurde dafür kein eigenes Wort entwickelt. Wenn sie mit der Farbe konfrontiert wurden, so verwendeten sie ihr Wort für „gelb“, um die Farbe zu benennen. Ein Versuch im Jahre 1954 zeigte, dass zwischen dem Benennenkönnen der Farbe und ihrer Wahrnehmung ein Zusammenhang besteht. Testpersonen waren Zuni- Indianer und englischsprachige Amerikaner. Die Zunis machten relativ häufig Fehler, während die Englischsprachigen keine Probleme hatten, die Farben zu benennen.
Um Unterschiede in der Farbbezeichnung zu finden, muss man nicht einmal den Europäischen Kontinent verlassen: So gibt es im Ungarischen zwei Bezeichnungen für Rot, im Russischen für blau,... Dahingestellt bleibt, ob allein die Sprache zu unterschiedlichen Reizungen auf der Netzhaut oder Interpretation im Gehirn führen, oder ob sie nicht vielmehr Ausdruck der jeweiligen Kultur ist.