2.8 Wechselwirkung von Farben
Die gleiche Farbe in verschiedenen Umgebungen ist nicht die gleiche Farbe. Das heißt, dass die Identität einer Farbe nicht in der Farbe selbst liegt, sondern durch den Zusammenhang bestimmt wird.
_Farbkontrast
Wenn man gleichzeitig zwei Flächen von verschiedener Helligkeit, aber gleicher Tönung, oder von gleicher Helligkeit, aber verschiedener Tönung, betrachtet, die aneinandergrenzen, dann sieht das Auge Veränderungen, die sich im ersten Falle auf die Farbintensität und im zweiten auf die optische Komposition der zwei nebeneinander liegenden Farben auswirken.
Nimmt man z.B. ein grünliches Gelb und ein rötliches Gelb, deren Beimischungen gering sind, und betrachtet sie isoliert voneinander, so sieht man in beiden Fällen reine Gelbtöne. Betrachtet man sie nebeneinander, so neigen sie dazu ihren Unterschied hervorzuheben, sie wirken deutlich rötlicher bzw. grünlicher.
_Anpassung
Wird nun ein drittes mittleres Gelb zwischen die beiden Gelbtöne geschoben, so verringert sich der Kontrast und die gesamte Gruppe wird einheitlicher. Solche Anpassungseffekte lassen sich auch beobachten, wenn z.B. ein kräftiger roter Fleck in einem Gemälde zarte Rottöne in den umliegenden Farben herausbringt.
Wenn also nebeneinanderliegende Farbtöne ausreichend ähnlich bzw. Farbflächen ausreichend klein sind, heben sie ihren Kontrast nicht hervor, sondern passen sich einander an.
Literatur: Rudolf Arnheim – „Kunst und Sehen“