2.7 Harmonie der Farbe
Um eine harmonische Beziehung zwischen den Farben festzustellen, ist es eine Notwendigkeit, Farbwerte in ein objektives genormtes System einzuordnen. Mitte des 18.Jhdts. entstanden die ersten dreidimensionalen Systeme, d.h. Farbe wird durch Farbton, Helligkeit und Sättigung festgelegt. Man ordnete Farben in Kugel-, Pyramiden- und Kegelformen und auch wenn sich diese Modelle in ihrer Form unterscheiden, so beruhen sie doch alle auf dem gleichen Prinzip. Die senkrechte Mittelachse zeigt die Skala der unfarbigen Helligkeitswerte, vom hellsten Weiß oben bis zum dunkelsten Schwarz unten. Der Äquator enthält die Skala der Farbtöne auf einer mittleren Helligkeitsstufe und jeder horizontale Schnitt durch den Körper zeigt alle verfügbaren Sättigungsgrade.
All diese Systeme dienen zwei Zwecken: sie sollen eine objektive Identifizierung jeder Farbe ermöglichen und anzeigen, welche Farben miteinander harmonieren. Die meisten Harmonielehren stützen sich auf das Prinzip gemeinsamer Elemente, z.B. sollten Farben die denselben Sättigungsgrad aufweisen miteinander harmonieren oder auch Farben, die sich im Farbkreis gegenüberstehen und ein Komplementärpaar bilden. Itten ging von der Beobachtung aus, dass Grau als einziger Farbton kein Nachbild hinterlässt und daher müssten Farben, die zu gleichen Teilen gemischt Grau, ergeben, harmonieren.
Meist hat sich jedoch herausgestellt, dass die Aspekte diverser Harmonielehren nicht von dauerhafter Gültigkeit sind und vom Zeitgeschmack abhängen. Wichtig scheint jedoch zu sein, dass zwischen den verwendeten Farben eine Verbindung bzw. auch eine Trennung entstehen kann, damit eine Nebeneinanderstellung erwünscht erscheint und nicht letztlich nur ein Durcheinander bleibt. Die Theorie sollte sich also nicht nur mit der Frage befassen, welche Farben hübsch zusammenpassen, sondern auch damit, wie einem erwünschten Inhalt eine angemessene Form gegeben werden kann.
Literatur: Rudolf Arnheim – „Kunst und Sehen“