6.3 Flächen
Nach Punkt und Linie ist das dritte Gestaltungsmittel die Fläche. Man unterscheidet die optische Fläche,die durch Linienzusammenschluß gebildete Fläche und die volle, massive Fläche. Die volle Fläche kann durch eine oder mehrere Tonstufen gebildet werden. Die Urformen der Fläche sind Dreieck, Kreis und Quadrat.
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Das Dreieck ist eine aktive Form. In der normalen Lage (Pyramide) entsteht durch die Aufwärtsrichtung eine vertikale Bewegung. Die Richtungstendenzen des Dreiecks im Bildraum wurden schon beim optischen Dreieck behandelt. Sie gelten auch für das flächige Dreieck. Bei einer Reihung von Dreiecken, bilden sich sofort optische Gegendreiecke mit entgegengesetzter Bewegung. Bei den fünf Frauen sind die schwarzen und weißen Dreiecke gleich stark; das Kräftespiel bleibt auf einer Ebene. Die dunklen Gegendreiecke zu den Giebeln hingegen können, zumal sie durch die Schornsteine geteilt sind, die starke Aufwärtsbewegung des weißen Giebels nicht ausgleichen.
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Der Kreis ist das Symbol der Unendlichkeit, ohne Anfang und Ende. Er ist das Zeichen der Vollkommenheit und Geschlossenheit.
Wenngleich es also beim Kreis keinen Anfang und kein Ende gibt, sieht man dennoch, gefühlsmäßig bedingt, feste Punkte: oben und unten (1 und 4 = Vertikale), links und rechts (2 und 3 = Horizontale). Hieraus ergeben sich Halb- und Viertelkreise, die neben dem vollen Kreis in der Formenwelt der Typografie, des Kunsthandwerks, der Architektur usw. vielfältige Anwendung finden. Wo Kreise aneinanderstoßen, entstehen optische Dreiecksformen. Bei dem Foto unten  treten sie durch den unruhigen Untergrund in ihrer Wirkung allerdings zurück.
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Obwohl das Quadrat als Bildformat nicht besonders geeignet ist, wird es doch bei der Flächengestaltung oft zum ruhigen Kontrapunkt. Auf dem Bild unten wirken die Quadrate der Fenster wie Punktreihen, also als optische Linien. Durch Abwechslung in den Tonwerten und in der Innengliederung wird aber eine langweilige Wiederholung der Reihungen vermieden. Auch bei der quadratischen Teilung des Fensters, auf dem Foto darunter, sind die einzelnen Felder, hier durch ihre Struktur, unterschiedlich.
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Das variable Rechteck ist nicht nur das bevorzugte Bildformat, sondern die am meisten verwendete geometrische Form überhaupt. Von den Papierformaten über die Gegenstände des Alltags bis hin zur Architektur und Landschaftsgestaltung übertrifft es in der Anwendung die Urformen Dreieck, Kreis und Quadrat bei weitem. Auf einer rechteckigen Fläche ist das Rechteck eine Wiederholung des Bildformates. Bei dem Foto unten erscheint das Rechteck gleich 13-mal in verschiedenen Größen. Seine Spannung bekommt das Bild durch die liegenden und stehenden Rechtecke, das Fensterquadrat und die Dreiecke der Gardinen.
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Im Charakter unterschiedliche Flächen können, ebenso wie verschiedene Linien, gegeneinander ausgespielt werden. Die Eigenaussagen der Flächen (z. B. Dreieck: Aktivität, Kreis: Ruhe, Quadrat: Schwere) werden im Kontrast zueinander, vor allem aber im Kontrast zur freien Fläche gesteigert. Ein Kontrast der Flächen ist eigentlich schon bei der Grundfläche und dem darauf Abgebildeten gegeben; er ist aber nur bei großflächig gestalteten Motiven, z. B. einem Porträt auf neutralem Untergrund deutlich sichtbar. Bei dem Foto unten stehen auf der ruhigen Fläche der Wand die strengen, rechteckigen Formen der Tür- und der Fensteröffnung im Kontrastzu den freien Formen der Menschen.
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Große Flächen in einem Bild wirken nicht nur in ihren äußeren Umrissen, ihrer Form, sondern auch in ihrem Flächeninhalt.
Steht die Großfläche im Kontrast zu kleineren Formen, Linien oder Punkten, kann sie durchaus eine einheitliche durchgehende Tönung haben. Sobald aber diese Kontraste fehlen oder das Bild nur aus einer einzigen Fläche besteht, benötigt  die Fläche  Struktur, damit aus einer reinen Aufteilung eines Raumes ein Bild wird.
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Die Flächen des Strohdaches oben, haben eine gleichmäßige Struktur in verschiedenen Graustufen, ohne daß die Fläche dadurch in ihrer Form verändert wird.
Bei der Menschenstruktur unten, die über die ganze Bildfläche geht, bilden sich durch die einzelnen hellen Flecken und die Konzentration der Dunkelheiten kleinere optische Formen.
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Im Normalfall vollzieht sich eine Komposition innerhalb des Bildformates. Zeigt das Foto jedoch eine Form, die von der Vorstellung des Betrachters außerhalb des Bildrandes weitergeführt werden kann, ist dies die maximal erreichbare Grenze der Bildkomposition.
Hierbei wird das Gefühl oft von dem Wissen über die eigentliche Form, von der das Bild nur einen Teil zeigt, unterstützt. Aber auch angeschnittene Flächen, wie Dreieck oder Kreis, werden vom Auge über die Bildkante hinaus vervollständigt.