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MERK DIR DEN STEIN !
Wieder einmal wurde die Burg belagert. Bevor die Burgfrau flüchtete, vergrub sie mit ihrem Sohn die Schätze. Sie kennzeichnete die Stelle durch einen Felsen und sagte zu ihrem Sohn: "Merk dir den Stein!" Die Feinde erstürmten die Burg. Sie raubten und mordeten. Nur der Knabe konnte entkommen. Als die Feinde abgezogen waren, suchte er nach dem Stein und den Schätzen. Er konnte aber nichts finden. Die Burg wurde wieder aufgebaut und Merkenstein genannt. MÖRK, DER SCHAFHIRT
In alter Zeit hauste in der Merkensteiner Höhle ein Lindwurm,
von dem der Lindkogel seinen Namen hat. So mancher tapfere Bursch
wollte das Ungeheuer töten, kehrte aber nicht mehr zurück. Als er wieder einmal vor seiner Höhle lag, kletterte der Bursche
auf den Felsen, der über der Höhle aufragte. Er härtete
im Feuer einen zugespitzten Pfahl. Seitdem hieß der Felsen über der Höhle "Mörkenstein". Die Burg, die dort erbaut wurde, erhielt später den Namen Merkenstein. HERKUNFT DER SAFRANPFLANZE, 2. Sage
Die reiche Hulda von Rauhenstein konnte sich für keinen der freien Herren entscheiden. Deshalb versprach sie demjenigen ihre Hand, der ihr aus dem Morgenlande die köstlichste Gabe bringen würde. Bevor ein Jahr um war, brachte der erste einen Diamanten vom hellsten Schein mit; der zweite führte zehn Knappen mit sich, die goldene Vasen und Krüge trugen. Walter von Merkenstein aber brachte eine Blüte mit. Er hatte sie am Grab des Vaters für Hulda gepflückt. Diese Blüte soll die Safranblüte gewesen sein. HERKUNFT DER SAFRANPFLANZE, 1. Sage
Hulda, die Tochter Heinrichs von Rauhenstein, versprach demjenigen die Hand, der ihr das Nützlichste aus dem heiligen Land bei einem Kreuzzug mitbringen würde. Dies gelang Walter von Merkenstein. Der Safran sind getrocknete braunrote Blütennarben einer Krokusart. Safran wird zum Gelbfärben von Speisen und als Gewürz verwendet.
DIE SPINNERIN AM KREUZ
Eine Sage aus Wiener Neustadt erzählt von der Errichtung einer Gedenksäule, der Spinnerin am Kreuz. Walther von Merkenstein soll sie errichtet haben, als er von einem Kreuzzug kam. Er fand an dieser Stelle seine Gattin, die dort auf ihn wartete und Flachs für die Armen spann.
MERK DIR DEN STEIN !
In einer älteren Burgkapelle fand sich eine Vertiefung, wahrscheinlich ein zugemauertes Portal. Diese nannte man "zwei Männer" und sollte dazu bestimmt sein, Verbrecher oder Gefangene darin einzumauern. Ein Edelknabe hatte die Tochter des Besitzers von Merkenstein entführt. Er wurde jedoch von den Dienstleuten des Burgherrn gefangen und auf die Burg zurückgebracht. Dort wurde er zur Strafe eingemauert. Wer der andere der "zwei Männer" gewesen ist, wird in der Sage nicht erzählt. MERK DIR DEN STEIN !
Der Ritter Leodegar hatte Zwillingssöhne. Sie stritten sich, wer zuerst geboren wäre. Um den Streit zu schlichten, zog der Vater mit seinen Söhnen in den Wald und zeigte ihnen einen Stein. Wer diesen nach drei Jahren wieder finden würde, der sollte als Erstgeborener anerkannt werden. Nach drei Jahren ritt der Vater mit seinen Söhnen wieder in den Wald. Der aufmerksame Winfried fand den Stein, sein Bruder aber verirrte sich. Winfried erbaute auf dem Stein eine Burg, die er Merkenstein nannte. DER BÖSE FIDSCHI
Wenn in Mondnächten bei Merkenstein der Uhu ruft, dann sagen die Leute, der Fidschi geistere um die Burg. Der Ritter Franz von Ficin sollte die Burg Merkenstein pflegen. Er
war aber ein gewalttätiger und habsüchtiger Bösewicht.
Als er einmal auf der Jagd war, schossen drei Bauern auf ihn. Sie
trafen aber nur das Pferd. Als Ficin starb, soll sein Körper ganz schwarz gewesen sein. Die Leute sagten, der Teufel habe ihn geholt. MATHIAS CORVINUS
Merkenstein war in der Hand des Ungarnkönigs Matthias Corvinus.
Eines Tages schütteten sie sogar ein großes Fass mit lebenden Fischen über die Burgmauer. Die kaiserlichen Soldaten flohen unter dem Hohngelächter der Ungarn weit weg von der Burg. Sie glaubten, die Feinde stünden mit dem Teufel im Bunde. DER TÜRKENBRUNNEN
Von den Türken hat der Türkenbrunnen, der sich im ehemaligen Merkensteiner Tiergarten befindet, seinen Namen. Vielleicht haben sogar die Türken selbst die Quellen gefunden. DER VERGRABENE SCHATZ Zur Türkenzeit wurden zwei Sooßer, ein Bursch und eine Dirn, in die Sklaverei mitgenommen. Beide haben aber nichts voneinander gewusst. Nach drei Jahren trafen sie sich in ihrer türkischen Tracht bei einem Brunnen in Konstantinopel. Der Bursch redete die saubere Dirn an und war überrascht, als er erkannte, dass es die Liesl aus Soosß war. Sie verabredeten eine gemeinsame Flucht und versprachen sich das Heiraten, denn Franz hatte 900 Gulden auf dem Kaltenberg bei Sooß vergraben. Auf der Flucht starb der arme Franz jedoch an einem Fieber. Liesl erreichte ihren Heimatort, erzählte dort vom toten Franz und dem vergrabenen Schatz. Aber sie wusste den genauen Platz nicht und alles Suchen war vergebens. Das Geld liegt heute noch dort. Manche meinen, es liegt im "Schelmenloch" ... (Quelle: C. Calliano, NÖ Sagenschatz, 1924)
WIE DIE TÜRKEN MERKENSTEIN ZERSTÖRTEN
DieTürken belagerten 1683 auch die Feste Merkenstein. Sie fanden aber so heftigen Widerstand, dass sie abziehen wollten. Eine Frau drohte den Feinden mit den Fäusten und zeigte ihnen ihre nackte Kehrseite. Daraufhin befahl der erzürnte Anführer der Türkenschar seinen Kriegern einen Sturmangriff. Er ließ Feuerbrände in das Schloss werfen und die Tore
in die Luft sprengen. Die Türken drangen in die Burg ein. 170
Personen fielen der Wut der Türken zum Opfer. Nur eine Frau mit ihrem Kind konnte dem Gemetzel entkommen. Sie hatte sich nämlich unter einem Waschtrog versteckt und wurde deshalb nicht entdeckt. Merkenstein wurde nicht wieder aufgebaut. DAS GAINFARNER LIEDL
Dieses Lied wurde von den Gainfarnerinnen gesungen, die nach Wien gingen, um ihre Waren anzupreisen. Das waren die als Gemüse beliebte Brunnenkresse, sowie Reibsand und Kienhölzer. "Jetzt kim i von Goarfarn auf Wean grad daher, gehts nemmts mir mei Binkerl ab, es wird ma schon z'schwer. Wearnerleit gehts seids net stolz, kaufts an Kien, a Kress und a Bindlholz. Und an Sand und an Lahm ham mir a no daham." DIE NONNEN BEIM FÄRBERKREUZ
An der Straße von Merkenstein nach Haidlhof befindet sich das Färberkreuz (Fieberkreuz). 1848 schickte der Förster Wunderer seine Magd um Hilfe nach Haidlhof, weil eine Kuh kalben sollte. Ängstlich ging das Mädchen auf dem Weg an der Ruine Merkenstein
vorbei, da bemerkte sie vor dem Färberkreuz zwei Gestalten in
Nonnentracht. Das Mädchen schrie auf und rannte weiter. Sie erreichte den Meierhof. Der Knecht machte sich mit ihr auf den Weg zum Forsthaus, doch beim Kreuz war weit und breit niemand zu sehen. Die Magd starb drei Tage später am erlittenen Schrecken. ES GEISTERT AUF MERKENSTEIN
Drei Schustergesellen aus Kottingbrunn wetteten miteinander, wer von ihnen sich um Mitternacht in die Ruine wage. Ein vergrabener Bügeleisenstagel im Schützenzimmer sollte zur Geisterstunde wieder geholt werden. Als es von der Gainfarner Kirche 12 Uhr schlug, machten sie sich auf den Weg. Einer betrat mit einer Kerze in der Hand den Raum. Ein Luftzug löschte das Licht. Aus dem Dunkel trat die hohe, weiße Gestalt einer Frau. Sie trug einen Schlüssel in der Hand. Ihr Gesicht war das eines Totenkopfes. Der Schustergeselle flüchtete, stürzte über die Mauer, brach sich ein Bein und blieb bewusstlos liegen. Am Morgen brachte der Förster Böswald den Verunglückten zum Arzt. Sein Bein wurde geheilt, der Schrecken aber blieb ihm. Er betrat nie wieder die Burg. DAS ROTE KREUZ
Am Weg von Pottenstein nach Merkenstein steht das "Rote Kreuz". Dort soll eine Schar Flüchtender von den Türken eingeholt und niedergeschlagen worden sein. Zur Erinnerung errichteten die Überlebenden das Kreuz, das alle drei Jahre mit Ochsenblut bestrichen wird. |
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| © Robert Boczek 2003 |