16 Die Vöslauer Kammgarnfabrik
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Voraussetzungen

Wenn eine Fabrik gebaut werden soll, sind Straßen oder eine Eisenbahnlinie, Rohstoffe und qualifiziertes Personal nötig.

Dies alles gab es damals in Vöslau nicht.

Die Südbahn nahm erst 1841 ihren Verkehr auf, es gab keine nötigen Rohstoffe und kein qualifiziertes Personal.

 

Geymüller
Johann Heinrich von Falkner-Geymüller

Warum

wurde dann aber in Vöslau eine Kammgarnfabrik gegründet ?

 

Kammgarnfabrik
Blick in die Fabrik
   

Johann Freiherr von Geymüller

wurde 1781 in Basel geboren.

Er war seit 1828 im Besitz der Herrschaft Vöslau - es standen ihm deshalb große Grundflächen zur Verfügung!

Deshalb gründete er mit den Herren Carl Deahna und Emil Rhode in Vöslau die Kammgarnspinnerei (1833).

Kammgarnfabrik
Arbeit in der Fabrik
 

Weitere Entwicklung

1834 wurde der Betrieb einer Schafwollkammgarnspinnerei erlaubt.

Die Firma erhielt den Namen “Vöslauer Kammgarnfabrik”.

Einige Jahre später war der Grundbesitz 24.500 m² groß, davon 8.200 m² verbaut.

Stadtmuseum
Kettgarne und Handstrickgarne
 

Die Arbeiter

Die Arbeiter mussten erst angelernt werden. Es waren Söhne von Kleinbauern aus der Umgebung. Sie klagten über gesundheitsschädigende Tätigkeit und geringen Lohn.

Für schlampige Arbeiten mussten sie Strafe zahlen. So blieben viele bald der Arbeit fern.

Eine Krankenkassa wurde eingerichtet. Jeder Arbeiter erhielt eine freie Behandlung durch einen Arzt und kostenlose Medikamente.

Kammgarnfabrik
Kreuzspulmaschinen

Die Fabrik

Es gab eine Kämmerei, eine Wäscherei, eine Bleicherei, eine Seifensiederei, eine Schlosser- und Tischlerwerkstätte und eine Färberei (Pflanzenfarben).

Geymüller führte ein aufwändiges Leben. Es kam zu Geschäftsschwierigkeiten. Die Fabrik musste versteigert werden. Sie wurde 1848 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Es wurden neue Maschinen angeschafft und die Wäscherei modernisiert. So konnte der Betrieb für viele Jahre bestehen und einen wichtigen Platz in der Textilerzeugung einnehmen.

 

Stadtmuseum
Webstuhl

Mehr als 150 Jahre war die "Actiengesellschaft der Vöslauer Kammgarn", kurz "Kammgarn" genannt, einer der wichtigsten und größten Arbeitgeber unserer Region.

In den 1950er Jahren waren rund 4000 Frauen und Männer beschäftigt. Das Werk bedeckte eine Fläche von ca. 5 ha, das sind 50 000m².

1978 ging die Firma in Konkurs.

Eine Schleppbahn verband die Fabrik mit dem Frachtenbahnhof der Südbahnstation.

 

Kammgarnfabrik
Areal der Kammgarnfabrik in Bad Vöslau
 

Es gab ein Kindertagesheim für die Kinder der Arbeiter, ein modern ausgestattetes Werksbad und einen geschmackvoller Festsaal, in dem häufig kulturelle Veranstaltungen stattfanden.

Leider musste die Kammgarnfabrik in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts geschlossen werden. Viele Menschen in Bad Vöslau verloren ihren Arbeitsplatz.

Bad Vöslau ist seitdem eine der größten Pendlergemeinden.

Werkskinderheim
Werkskinderheim
   
© Robert Boczek 2003
Volksschule Bad Vöslau