DIE HAUPTQUELLEN DES ISLAM

DER QUR’AN

Der Qur’an wurde dem Propheten Mohammad (s.a.s.) offenbart

Der Qur’an wurde auf Arabisch offenbart

Der Qur’an wurde durch Tawaatur authentisch überliefert

Der Qur’an wird im Gebet in seinem Wortlaut rezitiert

Der Qur’an ist ein Wunder

Offenbarung in Mekka und Medina

DIE ÜBERLIEFERUNG VON MOHAMMAD (S.A.S.) AS-SUNNAH

Die Aussagen von Mohammad - As-Sunnatu l-Qawliyyah

Die Handlungen von Mohammad - As-Sunnatul-Fiiliyyah

Die Billigungen von Mohammad - As-Sunnatul -Taqririyyah

Die Bedeutung der Sunnah im Islam

Die Überlieferung der Sunnah

Die Kriterien für Raawii (=Überlieferer)

Die Handlungen von Mohammad (s.a.s.)

DIE HAUPTQUELLEN DES ISLAM

Die Religion ist eine göttliche Gesetzgebung, welche die vernünftigen Menschen anspricht und sie sowohl im Diesseits als auch im Jenseits zur Glückseligkeit führt.  Die Glückseligkeit hängt mit der geistigen, innerlichen Harmonie des Menschen zusammen.  Die Religion beschützt diese Harmonie, indem sie uns verkündet, dass wir im Kosmos kein einfaches, sinnloses Dasein führen und unsere Seelen in diesem unbegrenzten Weltall nicht unbehütet sind.

Der Islam verkündet dem Menschen, dass sein Leben von der Ewigkeit bis zur Ewigkeit mit seinem erhabenen Schöpfer verbunden ist; der Mensch ist durch den göttlichen Geist ins Leben gerufen und dadurch geehrt worden und er wird im Paradies seinen erhabenen Schöpfer anschauen dürfen, wenn er sich bewusst und aufrichtig dem einzigen Allah anvertraut (hingibt).  Diese bewusste und aufrichtige Hingabe an Allah bildet die Grundbasis der Frömmigkeit.  Wer im wahrsten Sinne des Wortes fromm ist, ist trotz aller Strapazen des diesseitigen Lebens glücklich und hofft auf die Glückseligkeit im Jenseits.

Der Mensch, der von Allah, dem Erhabenen, als Angesprochener erschaffen worden ist, hat den göttlichen Offenbarungen und allen Gesandten Allahs zu folgen.  Das letzte offenbarte Buch ist der Qur’an und der letzte Gesandte und Prophet ist Mohammad (s.a.s.).

Der Muslim, der an alle offenbarten Bücher und alle Gesandten des einzigen Schöpfers glaubt, hat sich nach dem Qur’an und der Sunnah Muhammads (s.a.s.) zu richten.  Außerdem ist es für den Muslim Fard-KifAyat, den Qur’an und die Sunnah zu studieren.  Er soll alle Probleme sowie Angelegenheiten, denen er begegnet, dem Qur’an und der Sunnah entsprechend bewerten und lösen, wobei er auch von seinem eigenen geistigen Einsatz Gebrauch machen soll, um diese beiden Hauptquellen des Islam richtig zu verstehen.

Wie gesagt, die zwei Hauptquellen des Islam sind der Qur’an und die Sunnah.  Der Qur’an ist das letzte offenbarte Buch Allahs an alle Menschen und die Grundbasis des Islam.  Die Sunnah ist die praktische Umsetzung und Erläuterung des Qur’an durch Mohammad (s.a.s), durch welchen Allah, der Erhabene, alle Menschen zum letzten Mal angesprochen hat.

Jedes religiöse Problem muss in der islamischen Religion gemäß dem Qur’an gelöst werden.  Denn der Qur’an regelt und umfasst alle Seiten des menschlichen Lebens: den Glauben (=Al-Iman), den Gottesdienst (=Al-Ibaadah), die Morallehre (=AI-Ahlaaq) und die Handlungen zwischen den Menschen (=AI-Mu'aamalat).  Allah, der Erhabene, sagte im Qur’an:

"Wir haben im Buch (Qur’an) kein Ding ausgelassen." (Al-Anaam  6:38)

 

"Und wir haben dir das Buch als Erklärung für jedes Ding sowie als Rechtleitung, Gnade und frohe Botschaft für die Muslime herabgesandt." (Al-Nahl 16:89)

Deswegen wird der Qur’an den Gläubigen bis zur Auferstehung genügen, um ihre religiösen Fragen zu lösen.

DER QUR’AN

Qur’an bedeutet wortwörtlich: lesen, rezitieren, das sehr gerne Gelesene.  Der Qur’an wurde auch Kitab (=das Buch), Dikr (=Erwähnungen, Gedenken) und Furqaan (=das die Wahrheit vom Irrtum unterscheidende Buch) genannt.

Der Qur’an wurde dem Propheten Mohammad (s.a.s.) offenbart, in den Mushafs niedergeschrieben und durch Taawatur authentisch überliefert.  Man erfüllt durch seine Rezitation den Gottesdienst.  Die Menschen vermögen nicht, ein ähnliches Buch zu schaffen.

Der Erzengel Gabriel (a.s.) kam in einer der letzten Nächte des Ramadans im Jahre 610 zum Propheten Mohammad (s.a.s.) und teilte ihm die erste Offenbarung mit:

"Lies im Namen deines Erhalters, der erschuf den Menschen aus einer Keimzelle.  Lies, und dein Erhalter ist der Edelmütigste, der durch die Feder gelehrt hat.  Er hat den Menschen gelehrt, was er nicht gewusst hat." (Al-Alaq 96:1-5)

Im letzten Jahre seiner Berufung, am 9. Du 1-Hiddschah, offenbarte Allah, der Erhabene, seinem letzten Gesandten Mohammad (s.a.s.) auf dem Berg 'Arafat, dass der Qur’an vollendet ist:

"Heute habe ich für euch eure Religion vollendet und habe euch meine Gnade vervollständigt.  Ich habe für euch den Islam als Religion wohl festgelegt." (Al- Maaidah 5:3)

Der Qur’an besteht aus 114 Suren (=Kapiteln) und etwa 6666 Ayat (=Versen).

Der Qur’an wurde herabgesandt, um die Menschen aus dem Irrtum auf den rechten Weg zu bringen.  Die Menschen haben sich durch Ihn vom Heidentum befreit.  Der Qur’an ist die Rechtleitung, die alle Menschen zur Glückseligkeit führt.  Er hat die Götzendienerei endgültig besiegt.

Der Qur’an hat für die Menschheit den Weg zur Tugendhaftigkeit und Gerechtigkeit eröffnet.  Diejenigen, die auf diesem Weg gehen, fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes als geistig-seelische Brüder und Schwestern, sie verpflichten sich, überall, wo sie sind, Frieden und Ordnung zu stiften.

Der Qur’an wurde dem Propheten Mohammad (s.a.s.) offenbart

Allah, der Erhabene, hat sein letztes Buch dem letzten seiner Gesandten Mohammad (s.a.s.) offenbart.  Die Offenbarung (=Al Wahy) kam manchmal unmittelbar von Allah, dem erhabenen Schöpfer, zu Mohammad (s.a.s.), doch meistens durch den Erzengel Gabriel (a.s.). Der Qur’an wurde Sure für Sure, Ayat für Ayat, also Stück für Stück, offenbart.  Somit konnten Mohammad (s.a.s.) ebenso wie die ersten Muslime den Qur’an auswendig lernen:

"Und diejenigen, die ungläubig sind, sagten: Der Qur’an sollte ihm nicht auf einmal, als Ganzes, herabgesandt werden?  Doch wir sandten ihn so Stück für Stück, um ihn in deinem Herz festzulegen, und wir rezitierten ihn langsam und deutlich." (AI-Furqaan 25:32)

Jede neue Offenbarung wurde von Mohammad (s.a.s.) einmal den Männern und einmal den Frauen vorgelesen bzw. rezitiert, dabei wurde erklärt, was zu erfüllen sei.

Der Qur’an wurde auf Arabisch offenbart

Allah, der Erhabene, teilte all Seinen Gesandten Seine Offenbarungen in ihrer jeweiligen Muttersprachen mit.  Mohammad (s.a.s.) kam in einer Arabisch sprechenden Gesellschaft zur Welt.  Die ersten Menschen, die vom Qur’an angesprochen worden sind, waren Araber.  Daher sandte Allah, der Erhabene, Sein letztes Buch in arabischer Sprache an die Menschheit:

"Wahrlich, wir sandten das Buch als arabischen Qur’an.  Vielleicht werdet ihr es richtig verstehen." (Yusuf  2.2)

Wie man weiß, hatte das Arabische seinen Höhepunkt schon im 4. und 5. Jahrhundert erreicht.  Deswegen ist es für die Menschheit ein gesegnetes Glück, dass sie die letzten Offenbarungen des erhabenen Schöpfers in einer ausdrucksreichen Sprache erhalten haben.  Im Laufe der Geschichte wurden duzende Bedeutungsübertragungen in allen Weltsprachen angefertigt.  Aber keine von ihnen darf man als Qur’an bezeichnen.  Denn der Qur’an hat nur ein ursprüngliches, arabisches Exemplar.  Es ist auch unmöglich, den Qur’an genau zu übersetzen.

Der Qur’an wurde durch Tawaatur authentisch überliefert

Immer wenn Mohammad (s.a.s.) eine neue Offenbarung bekam, diktierte er sie seinen Anhängern.  Hinterher ließ er sie den Freund, der sie gerade niedergeschrieben hatte, vorlesen, um mögliche Schreibfehler zu verbessern.  Andererseits wurde der Qur’an auswendig gelernt, im Gebet rezitiert.

Im Laufe der Offenbarungszeit kam der Erzengel Gabriel (a.s.) in jedem Ramadaan zu Mohammad (s.a.s.), und sie wiederholten miteinander die bis dahin herabgesandten Suren (=Kapitel).  Diese Wiederholung fand im letzten Ramadaan der Berufungszeit von Mohammad (s.a.s.) sogar zweimal statt.  Einerseits wurde der Qur’an niedergeschrieben und andererseits auswendig gelernt.  Auf diese Art und Weise wurde er von Generation zu Generation weitergegeben.  Diese Art der authentischen Weitergabe des Qur’an heißt Tawaatur.  In der Offenbarungsgeschichte ist der Qur’an das einzige Buch, das durch Tawaatur authentisch überliefert ist.

Allah, der Erhabene, versicherte der Menschheit, dass der Qur’an bis zur Ewigkeit unverändert bleiben wird:

"Wahrlich, wir haben den Qur’an herabgesandt, und wahrlich, wir werden ihn bewahren."

(AI-Hidschr 15:9)

Der Qur’an wird im Gebet in seinem Wortlaut rezitiert

Wie gesagt, das Wort Qur’an bedeutet: rezitieren, das sehr viel und sehr gerne Gelesene.  In Wirklichkeit ist der Qur’an das einzige offenbarte Buch, das zu allen Zeiten von tausenden, ja hundertsausenden Gläubigen auswendig gelernt wurde und wird.

Die Rezitation auf dem Papier ist auch ein vollkommener Gottesdienst, der es dem Gläubigen ermöglicht, sich in die göttliche Harmonie des Qur’an zu vertiefen.  Aber im Gebet müssen wir unbedingt auswendig rezitieren.  Es darf im Gebet keine Übersetzung anstelle des Qur’an rezitiert werden.  Jeder Muslim, gleichgültig ob er Arabisch oder eine andere Sprache spricht, muss im Gebet den Qur’an in seinem ursprünglichen arabischen Ausdruck rezitieren:

"Rezitiert aus dem Qur’an, was euch leichter fällt, und verrichtet das Gebet." (Al- Muzzammil 73.-20)

Auch die Rezitation des Qur’an außerhalb des Gebetes bringt uns Belohnung.  Das Zuhören bei einer Rezitation ist Pflicht und hat ebenso gleichen Belohnungswert.

Der Qur’an ist ein Wunder

Allah, der Erhabene, wählte Seine Gesandten unter den Menschen nach Seinem Willen aus und sandte sie dorthin, wo sie am meisten benötigt wurden.  Diese Gesandte übernahmen wichtigste und schwerste Aufgaben und erfüllten sie.  Daher rüstete Allah Seine Gesandten aus, mit Seiner Erlaubnis Wunder zu zeigen.  Er gab Seinem Gesandten Musa (a.s.) einen Stock, mit dem die Zauberer besiegt wurden.  Denn die Ungläubigen waren damals auf ihre Zauberkünste stolz und glaubten, dass ihre Zauberer unbesiegbar seien.

Allahs Gesandter lsa (a.s.) heilte mit der Gnade Allahs Blinde und erweckte Tote ins Leben zurück, weil seine Mitmenschen im Bereich der Medizin relativ große Fortschritte gemacht hatten.

Muusaa (Moses) und lisaa (Jesus) (a.s.) konnten ihre Berufungen auf diese Art und Weise beweisen.  Die damaligen Araber waren auch stolz, dass sie literarische Kunstwerke vollbracht hatten.  Allah, der Erhabene, gab Seinem letzten Gesandten den Qur’an als Wunder.  Seine Ausdrücke, sein Stil, sowie seine Wirkung sind übernatürlich und mit menschlichen Kunstwerken unvergleichbar.  Im Qur’an werden die Ungläubigen aufgefordert, seine Wahrheit zu akzeptieren oder ein Kapitel wie eine Sure zu bilden.

"Und wenn ihr an dem, was wir unserem Diener Mohammad herabsandten, im Zweifel seid, bringt ein Kapitel wie eine Sure hervor, wobei ihr eure Anvertrauten außer Allah um Hilfe ruft, wenn ihr wahrhaft seid!" (Al-Baqarah 2.-23)

Diese Aufforderung ist bis in unsere Zeit unbeantwortet geblieben.

Offenbarung in Mekka und Medina

Die Offenbarung des Qur’an dauerte etwa 23 Jahre; diese Zeitspanne wird als die Berufungszeit Muhammads (s.a.s.) bezeichnet.  Da der Gesandte Allahs (s.a.s.) seine Berufung zuerst in der gesegneten Stadt Mekka und danach in der gesegneten Stadt Medina erfüllte, wurden ihm 71 Suren des Qur’an in Mekka und 19 Suren in Medina offenbart.  Die übrigen Suren sind ihm zum Teil in Mekka und zum Teil in Medina herabgesandt worden.

Die Suren sowie die Ayat, die in Mekka offenbart worden sind, verkünden die Glaubensgrundsätze: den Glauben an einen, absoluten, übersinnlichen Allah, die Engel, die Gesandten, die Bücher, den Jüngsten Tag, die Vorherbestimmung.

In diesen Suren verbietet Allah, der Erhabene, die Götzendienerei und ermahnt die Irregehenden.  Folgende Qur’an-Verse wurden in Mekka offenbart:

"Und tötet eure Kinder nicht aus Angst vor Not.  Wir bescheren  sie und auch euch.  Wahrlich, ihre Ermordung ist eine schwere Sünde.  Und nähert euch nicht dem Ehebruch, denn es ist eine Schande und ein schrecklicher Weg." (Al-Israaa 17:31,32)

"Wahrlich, wir schufen jedes Ding der Vorbestimmung entsprechend.  Unser Befehl ist doch so rasch wie ein Blickwurf.  Wahrlich, wir richteten diejenigen, die euch ähnelten, zugrunde.  Gibt es niemanden, der einen Rat annimmt?  Und alles, was sie getan haben, ist in den Büchern aufgeschrieben, und alles klein und groß, Zeile für Zeile.  Wahrlich, diejenigen, die sich vor Allah ehrerbietig verhalten, sind in den Paradiesgärten und an Bächen, in Gegenwart des allmächtigen Herrschers auf einem wahrhaftigen Sitzplatz." (Al-Qamar 54:49-55)

Die Suren und die Ayat, die in Medina offenbart worden sind, verkünden verschiedene Rechtsregelungen, die familiäre, gemeinschaftliche und staatliche Bereiche betreffen, sowie die Regelungen über die Beziehung der Muslime untereinander und zu anderen Menschen, aber auch die Friedens- und Kriegsbestimmungen.  Folgende Qur’an-Verse sind in Medina offenbart worden.

"Es wurde für diejenigen, die unterdrückt und angegriffen worden sind, genehmigt, den Verteidigungskrieg zu führen.  Wahrlich, Allah ist doch mächtig, denen zu helfen, die, 'unser Erhalter ist Allah' gesagt haben und aus diesem Grund ungerecht aus ihrer Heimat verbannt worden sind.  Wenn Allah manche Menschen nicht durch andere gehindert hätte, wären die Klöster, die Kirchen, die Synagogen und die Moscheen, in denen der Name Allahs sehr oft aufgerufen wird, zerstört worden.  Wahrlich, Allah hilft denen, die Ihm helfen.  Wahrlich, Allah ist mächtig und erhaben." (Al-Haddsch 22:39, 40)

"Und kämpft zum Wohlgefallen Allahs mit denen, die euch angreifen.  Und übertreibt es nicht.  Wahrlich, Allah liebt nicht die Übertreibenden." (AI-Baqarah 2:190)

DIE ÜBERLIEFERUNG VON MOHAMMAD (S.A.S.) AS-SUNNAH

Die zweite Hauptquelle des Islams ist die Sunnah.  Dieses Wort wird in der arabischen Sprache im Sinne von "die Tradition, die Lebensart und -weise, der Weg" verwendet.  In der islamischen Literatur meinen wir mit diesem Begriff die Lehraussagen, die vorbildhaften Taten und die Billigungen von Mohammad (s.a.s.). Entsprechend der Definition lässt sich die Sunnah in drei Arten einteilen.

3.2.1.       Drei Arten der Sunnah

Die Aussagen von Mohammad - As-Sunnatu l-Qawliyyah

Alle Aussagen von Mohammad (s.a.s.) die er geäußert hat, um eine Frage zu beantworten oder ein Thema zu erklären, gehören dieser Gruppe an.  Die Lehraussagen Muhammads (s.a.s.) heißen auch Hadis.  Zum Beispiel:

Von Utmaan (r.a.); Allahs Gesandter ('s.a.s.) sagte: "Der Beste von euch ist der jenige, der den Qur’an lernt und ihn lehrt." (Buhaarii, Fadaailu 1-Qur’an: 21)

Von Anas (r.a.); Allahs Gesandter (s.a.s.) sagte: "Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter." (Qudaaii, Musnad, I, 102-103)

Die Handlungen von Mohammad - As-Sunnatul-Fiiliyyah

Die Handlungen und Haltungen von Mohammad (s.a.s.) gehören dieser Gruppe an.  Zum Beispiel: die Verrichtung des Gebetes und die Erfüllung der Pilgerfahrt.  Wir Muslime verrichten das Gebet seit 14 Jahrhunderten in der gleichen Form, wie er es verrichtet hat.  Die Pilgerfahrt erfüllen wir, wie er sie erfüllt hat.  Die Gestaltung des Gebetes und die Erfüllungszeremonie haben Millionen Gläubige von Generation zu Generation weitergegeben.  Allahs Gesandter (s.a.s.) sagte bezüglich der Gestaltung des Gebets:

Von Maalik b. Huwayrit (r.a.); Allahs Gesandter (s.a.s.) sagte:

"Verrichtet das Gebet genau so, wie ihr mich beim Beten seht." (Buhaarii, Azaan: 18)

Bezüglich der Erfüllungszeremonie der Pilgerfahrt sagte er:

Von Gaabir (r.a.); er sagte: Ich habe den Gesandten Allahs (s.a.s.) gesehen, als er am Tage des Opfers von seinem Kamel Steinchen warf und uns sagte: "Lernt von mir eure Pilgerfahrtzeremonien, denn ich weiß nicht, vielleicht werde ich nach dieser keine Pilgerfahrt mehr erfüllen." (Ahmad b. Hanbal, Musnad, III, 318)

Die Billigungen von Mohammad - As-Sunnatul -Taqririyyah

Die Handlungen, welche nicht von ihm selbst erfüllt worden sind, sondern in seiner Gegenwart von seinen Sahaabah (r.a.) durchgeführt wurden, wobei er diese Handlungen stillschweigend akzeptierte, gehören dieser Gruppe an.  Zum Beispiel: Ein Muslim verrichtete einmal das Gebet mit Tayammum.  Obwohl er erst nach dem Gebet Wasser gefunden hatte, wiederholte er dieses Gebet nicht.  Allahs Gesandter billigte diese Handlung.

An einem Festtag sangen zwei Mädchen im Zimmer von Ayscha, der Mutter der Gläubigen (r.a.). Mohammad (s.a.s.) billigte dieses auch.

Die Bedeutung der Sunnah im Islam

Allah, der Erhabene, sandte den Menschen Seine menschlichen Boten.  Denn die göttlichen Gebote und Verbote sind von den Menschen zu erfüllen bzw. einzuhalten.  Allah, der Erhabene, hat uns Gläubigen auch dadurch Seine Gnade erwiesen, dass Er Seine Gesandten unter den Menschen auserwählt hat.  Ein menschlicher Gesandter konnte die Schwierigkeiten und Bedürfnisse seiner Mitmenschen besser verstehen, mit ihnen leiden und sich mit ihnen freuen.  An einer Stelle des Qur’an sagt Allah, der Erhabene:

"Wahrlich, ein Gesandter ist zu euch gekommen aus euch selbst.  Ihn bedrückt schwer, was euch bedrängt.  Er ist euch gegenüber äußerst fürsorglich sowie den Gläubigen gegenüber sehr mitleidvoll und barmherzig." (Al-Tawbah 9:128)

Immer wenn die Gefährten (=,Sahaabah) von Mohammad (s.a.s.) bei der Verwirklichung eines Befehls von Allah, dem Erhabenen, irgendwelche Probleme oder Fragen hatten, kamen sie zu ihm und bekamen die richtigen Antworten.  Daher spielt die Sunnah von Mohammad (s.a.s.) im Leben der Muslime eine notwendige, unersetzbare Rolle und wird bis zur Auferstehung diese Rolle beibehalten.

Aus folgenden Gründen ist die Sunnah von Mohammad (s.a.s.) die zweite Hauptquelle des Islam:

Ø      Ø      Die Qur’an-Verse verkünden eindeutig, dass die Gläubigen dem Gesandten Allahs (s.a.s.) gehorchen müssen:

"Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht damit auch Allah.  Und wer sein Gesicht abwendet, der soll zur Kenntnis nehmen, dass wir dich nicht als Hüter über sie gesandt haben." (Al-Nisaa 4:80)

"Wenn Allah und Sein Gesandter für eine Tat eine Bestimmung festlegen, dann sind ein Gläubiger und eine Gläubige nicht frei, sich einen anderen Weg für ihre Handlungen auszusuchen.  Und wer sich gegen Allah und seinen Gesandten empört, der geht offenkundig irre." (AI-Ahzaab 33:36)

Ø      Ø      Die Qur’an-Verse besagen, auch, dass Allahs Gesandter (s.a.s.) nur den Offenbarungen entsprechend sprach:

"Er verkündet nichts von sich selbst aus, es ist ja eine Offenbarung, die ihm offenbart wird." (Al- Nadschm 53:3,4)

und Allah hat dir das Buch und die Weisheit herabgesandt und hat dich gelehrt, was du nicht wusstest.  Und die Gnade Allahs für dich ist groß." (Al- Nisaaa  4:113)

Ø      Ø      Die Qur’an-Verse verkünden eindeutig, dass die Gläubigen an den Gesandten Allahs (s.a.s.) glauben müssen.  Das Glauben an Allah, den Erhabenen, und das Glauben an Seinen Gesandten (s.a.s.) sind im Qur’an nebeneinander erwähnt:

"Sprich:  0 Menschen!  Wahrlich, ich bin für euch alle der Gesandte Allahs, der das Reich der Himmel und der Erde besitzt.  Außer Ihm gibt es keinen Gott.  Er schenkt das Leben und lässt sterben.  Daher glaubt an Allah und an Seinen Gesandten, den analphabetischen Propheten, der an Allah und Seine Worte glaubt.  Und folgt ihm, vielleicht werdet ihr rechtgeleitet." (Al-Araaf 7:158)

Ø      Ø      Der Qur’an besagt, dass Mohammad (s.a.s.) für alle Menschen eine Gnade ist:

"Und wir haben dich nur als Gnade für Welten gesandt." (Al-Anbiyaa 21:107)

Die Überlieferung der Sunnah

Die Sunnah wurde von den ersten Berufungsjahren Muhammads (s.a.s.) an teilweise schriftlich, meistens aber mündlich, also von Gedächtnis zu Gedächtnis, überliefert und weitergegeben.  Es ist hier zu wiederholen, dass Mohammad (s.a.s.) seine Sahaabah (= Gefährten) (r.a.) aufgefordert hat, aus seinem Mund nichts außer dem Qur’an niederzuschreiben.  Das war eine Maßnahme, um die Unveränderlichkeit des Qur’an zu gewährleisten.

Die Überlieferungsart und die Überlieferungskette spielen die entscheidende Rolle bei der Verwendung eines Hadis als Beweis (=Daliil).

Hinsichtlich der Zahl der Raawiis (=Überlieferer) in jeder Generation teilen die Hadis- Gelehrten die Sunnah in drei Gruppen: Mutawaatir, Maschhuur, Aahad.

a)        Die Mutawaatir-Sunnah wurde in jeder Generation durch große Gruppen überliefert.  Diese Sunnah ist von ihrer Nachweisbarkeit (=Tubuut) her ein bestimmter (=qatii) Beweis.

b)        Die Maschhuur-Sunnah wurde nicht durch große Gruppen, sondern durch einige Muslime überliefert.  Diese Sunnah ist von ihrer Nachweisbarkeit (=Tubut) her ein zu vermutender (=zanni) Beweis.

c)         Die Aahad-Sunnah wurde in einer Generation durch einen Muslim weitergegeben.  Diese Sunnah ist auch von ihrer Nachweisbarkeit (=Tubut) her ein zu vermutender (=zanni) Beweis.

Die Kriterien für Raawii (=Überlieferer)

Die Hadis- Gelehrten haben für die Überlieferer (=Raawiis) bestimmte Kriterien festgelegt.  Jeder Raawii wurde nach diesen Kriterien geprüft.  Diejenigen, die bestimmte Eigenschaften aufweisen, sind ursprünglich von den Hadis-Gelehrten und -Sammlern als tiqah (=zuverlässiger Überlieferer) bezeichnet worden.  Diese Kriterien sind:

Ø      Ø      Aql: Der Raawii soll von seiner Vernunft her gesund und zurechnungsfähig sein.  Kleine Kinder und geistig Kranke sind nicht als Raawii anerkannt.

Ø      Ø      Adalah: Der Raawii soll ein rechtgläubiger und frommer Muslim sein.  Er soll generell die Gebote erfüllen und die Verbote einhalten.  Der Raawii soll auch keine schlechten moralischen Angewohnheiten haben.  Derjenige, der einmal eine große Sünde begangen hat, wird nicht als zuverlässiger (=tiqah) Raawii anerkannt.

Ø      Ø      Zabt: Der Raawii soll ein scharfsinniger und gescheiter Muslim sein.  Er soll dem Hadis mit Aufmerksamkeit zugehört und seine Bedeutung verstanden haben.  Außerdem soll er den Hadis auswendig gelernt oder niedergeschrieben haben.  Derjenige, der an Gedächtnis schwach ist oder ab und zu an Vergesslichkeit leidet, wird nicht als zuverlässiger Raawii anerkannt.

Die Handlungen von Mohammad (s.a.s.)

Die Gelehrten haben die Handlungen Muhammads (s.a.s.) in drei Gruppen geteilt:

Ø      Ø      Die Handlungen, die er vorgemacht hat, aber zu denen er die Gläubigen nicht aufgefordert hat.  Buhaarii hat von 'Aischa (r.a.), der Gemahlin Muhammads (s.a.s.), folgendes berichtet: "Der Gesandte Allahs (s.a.s.) kaufte einmal bei einem Juden Nahrungsmittel (Weizen) ein und ließ bei diesem einen eisernen Harnisch als Pfand." Ähnliche Handlungen sind jedem Muslim genehmigt, aber keine Verpflichtung.

Ø      Ø      Die Handlungen, die seine eigene Person betreffen.  Zum Beispiel das Tahaddschud-Gebet.  Es war nur für Mohammad (s.a.s.) eine Verpflichtung, nachts aufzustehen und das Tahaddschud-Gebet zu verrichten.  Dagegen ist das Tahaddschud-Gebet für die Muslime Mustahab, also freiwilliger Gottesdienst, keine Verpflichtung.

Ø      Die Handlungen, die von Mohammad (s.a.s.) naturgemäß erfüllt worden sind, z.B. essen, trinken, manches Essen nicht mögen.  Dieses sind rein menschliche und natürliche Handlungen.  Solche Handlungen sind keine Pflicht.

 

Textquelle:MEIN LEBEN FÜR DEN ISLAM 1 / RELIGIONSLEHRBUCH  / Verfasser:Baki Bilgin

IslamischeGlaubensgerneinschaft in Österreich/Wien 1995