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Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Töchterle
Es ist schon erstaunlich, welche Argumentationen sich manche Teilnehmer der Lateindebatte zutrauen. Jüngst wagte Josef Pycha, pensionierter Generaldirektor der ÖBB, einigermaßen kühne Aburteilungen Ciceros und Ovids, die sich bestenfalls als Fossilien der Gräkomanie des 19. Jahrhunderts lesen lassen. Dem vielleicht elegantesten antiken Dichter "hölzernen" Stil vorzuwerfen, zeugt nicht unbedingt von der Kompetenz des "Presse"-Gastkommentators.
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Doch zum Wesentlichen: Gerade Latein muss sich immer die Frage nach seinem unmittelbaren Nutzwert gefallen lassen. Wozu "braucht" man höhere Mathematik, wo es doch maschinelle Rechner, wozu schlichtes Faktenwisen, wo es doch das www gibt? Wozu "braucht" man Musik- oder Zeichenunterricht? Man braucht sie, weil sie Kulturkompetenz vermitteln. Und das tut auch der Lateinunterricht, denn die lateinische Literatur prägt die europäische Kultur bis heute in hohem Maße. (Natürlich gilt dasselbe für den Griechischunterricht, für den Pycha wohl bei allen Latein-Befürwortern offene Türen einrennt.) Weitere Gewinne aus dem Lateinunterricht, vor allem Sprachkompetenz (hier sind spezifische Transferwirkungen erwiesen, nicht hingegen in dem immer wieder beschworenen "logischen Denken") sprechen dafür, dem Latein einen ausreichenden Platz im gymnasialen Fächerkanon zu belassen. Presse"-Leserbrief am 2.3.2002 © Die Presse
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