Bildung

 

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Wozu braucht man Bildung?

Was für einen Wert hat Bildung? Wieviel darf Bildung kosten? Was bringt es der steuerzahlenden Allgemeinheit, wenn sie sich allgemeinbildende Schulen, insbesondere Allgemeinbildende Höhere Schulen leistet?

Können es sich die allgemeinbildenden Schulen umgekehrt leisten, anderen (berufsbildenden) Schultypen auf deren Gebiet Konkurrenz bieten zu wollen?

Bildung versus Ausbildung

Ich denke da in erster Linie an Schlüsselqualifikationen, die eine Antwort auf die Schlüsselprobleme des Menschen, die Bedingungen und Entwicklungen der Gesellschaft geben können.

Friedliches Zusammenleben der Menschen

Der Wandel der politischen Verhältnisse in Europa hat zu völkerwanderungsähnlichen Zuständen geführt: Aus dem Osten drängen viele nach dem Westen. Oft leben auf engstem Raum Menschen der verschiedensten Nationalitäten zusammen. Die Verschiedenheit von Herkunft, Sprache, angeborenem Temperament, Religion birgt Konfliktpotential in sich, das sich in Streit, Fremdenhass, Gewalttätigkeit äußern kann.

Verständigung und Toleranz sind ebenso dringend geboten wie die Achtung vor der Würde des Menschen. Friede als einzig mögliche Existenzform, die das Überleben von Menschen und Staaten garantiert, ist ein Gut, auf das man sich täglich besinnen muss.

Die Schule kann dazu beitragen, dass im heranwachsenden Menschen ein Bewusstsein dafür entsteht, dass Voraussetzungen für Friedfertigkeit, Verständnisbereitschaft und Gemeinschaftssinn geschaffen werden.

Natur und Umwelt

Der Umgang mit der Natur ist zu einem Existenz bedrohenden Problem des Menschen schlechthin geworden, und zwar Länder und Kontinente übergreifend. Die natürlichen Lebensbedingungen und Lebensressourcen sind durch Auswirkungen der technisch-industriellen Entwicklung, aber auch durch die rasante Zunahme der Weltbevölkerung bedroht. Die rücksichtslose Ausbeutung der Erde führt in die Katastrophe. Ein Umdenken ist nötig, ein Auftrag an den heutigen Menschen, zu dem er gegenüber nachfolgenden Generationen verpflichtet ist.

Kultur und Tradition

Der kulturelle Verfall in autoritär geführten Staaten, etwa im europäischen Osten, hat gezeigt, wie sehr für ein sinnerfülltes, glückliches Leben des Einzelnen wie der Gemeinschaft die Bindung an Tradition, Brauchtum, Kulturgut nötig ist. Fortschritt ohne Rückbindung an die geschichtlichen Erfahrungen, an die geschaffenen Leistungen der Vergangenheit auf allen Gebieten der Kultur führt zwangsläufig zu einem Verlust an Lebensqualität und Lebenswert. Europa als gemeinsamer Lebensraum hat neben der wirtschaftlichen und politischen Dimension vor allem auch eine kulturelle Basis, auf die man sich in letzter Zeit immer mehr und von neuem besinnt; denn nur das Bewusstsein, dass man in einer auch kulturell zusammengehörenden Gemeinschaft lebt, schafft Identifikation, die dann zu einer unbefangenen Begegnung mit anderen Kulturräumen, auch Weltkulturen, frei macht. Sinn für Tradition und Kulturbewusstsein sind deshalb vornehmliche Bildungsziele einer demokratischen Schule.

 


Wissenschaft und Beruf

Die Berufswelt ist dabei, sich als folge der wissenschaftlichen Fortschritte grundlegend zu verändern. Das Industriezeitalter wird vom informationstechnischen Zeitalter abgelöst. Es verschwindet der Industriearbeiter. Benötigt werden versierte, flexible, verantwortungsfähige Fachleute (wie Ingenieure, Kontrolleure, Manager, Konstrukteure, Planer). Der Arbeitsplatz des Einzelnen hat sich erheblich gewandelt: Durch den Computer ist Information schnell verfügbar. Daten und Wissen sind vielfach allen frei zugänglich. Damit ist die Gefahr des Missbrauchs gestiegen. Die Forderungen nach Verantwortungssinn und -bereitschaft dafür verstärkt sich immer mehr. Die Forderung schließt für den Wissenschaftler, besonders in den neuen Technologien, auch die Rücksicht auf die Folgen bei der Anwendung seiner Erkenntnisse mit ein. Er braucht die Fähigkeit, auch die Folgen der Einzeltechniken für das Ganze richtig einzuschätzen. Zum Spezialwissen müssen die Qualifikationen eines allgemein Kompetenten kommen.

Wort und Bild

Man spricht oft von einer Fehlentwicklung im Umgang mit Wort und Bild, von "Sprachverwilderung", von einem "Verfall der Schriftkultur", usw.

Jedenfalls fördert der gesteigerte Einsatz der informationstechnischen Medien, vor allem des Computers, die Tendenz, Sprache auf ihren bloßen Informationswert zu reduzieren. Kreative Sprachproduktion, der Sinn für schöne und richtige Sprachformen werden dadurch eher zurückgedrängt.

Das Vorbild der öffentlichen Medien trägt sicher zu diesem Verlust mit bei.

Jeder Fernsehkonsument muss durchschnittlich 30.000 Werbespots pro Jahr über sich ergehen lassen.

Wort und Bild haben als Mittel der Meinungssteuerung unterschwellig eine enorm gesteigerte Funktion erhalten.

In einer Ästhetik und Ethik des Wortes und Bildes kann man daher eine Kernaufgabe der Bildung sehen.

Wertbewusstsein und Sinnfindung

Die pluralistische Gesellschaft lässt wegen eines fehlenden Grundkonsenses mit ihren oft widersprüchlichen Wertvorstellungen den jungen Menschen fast orientierungslos.

Der Aufbau von Wertbewusstsein, Sinn für Pflicht, Ordnung und Toleranz steht im Gegensatz zu überzogenem Anspruchsdenken, Egoismus, Vorteilsdenken, Ungerechtigkeit, Unzuverlässigkeit in Vertrauensangelegenheiten, Brutalität usw.

Die Schule muss sich davon herausgefordert fühlen.

 

 

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