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Lernen [1]
Der
Einprägungswert von Wiederholungen: Die erste Einprägung ist die wirkungsvollste. Der
Einprägungswert einer Wiederholung ist umso geringer, je stärker der Lernstoff
vorher schon eingeprägt war. Es ist daher möglich, dass man bei Wiederholungen
an einen Punkt gelangt, bei dem Wiederholungen fast keinen Wert mehr besitzen.
Die zeitliche
Aufteilung des Lernstoffes: Von verschiedenen Versuchsgruppen konnte diejenige den
Lernstoff am besten reproduzieren, die den Lernstoff am längsten zeitlich aufgeteilt
hatte.
Dem bewussten
Geschehen beim Einprägen liegen sogenannte mentale Erregungen zugrunde, die
diese Einprägungsarbeit leisten. Diese dauern aber auch nach (!) dem bewussten
Lernvorgang noch an (postmentale Erregungen). - Pausen!!
Die mengenmäßige
Aufteilung: Bei Anstieg des
Lernstoffs steigt der Lernaufwand überproportional an. Es ist daher am
vorteilhaftesten, sich zuerst einen Überblick über den Lernstoff zu verschaffen
und ihn dann in sinnvoll zusammenhängende Teile aufzugliedern.
Das Vergessen: Ein einmal gelernter Stoff wird anfänglich sehr schnell,
dann jedoch langsamer vergessen.[2]
Reminiszenzeffekt:
Es gibt auch das
Gegenteil des Vergessens, nämlich eine Verbesserung der Gedächtnisleistung
durch Pausen, in denen man sich nicht mit dem Lernmaterial beschäftigt (gilt
vor allem für bestimmte Fertigkeiten wie Maschineschreiben, Autofahren, Tanzen
...).
Gedächtnishemmungen:
Retroaktive
Hemmung: Nachfolgender
Lerninhalt hemmt den vorausgehenden,
Ähnlichkeitshemmung: dies umso mehr, je ähnlicher die beiden Inhalte sind.
Proaktive Hemmung: Ein vorausgehender Lernprozess hemmt den nachfolgenden.
Assoziative Hemmung: Wenn ein Lerninhalt bereits mit einem anderen assoziiert
ist, lässt er sich schwerer mit einem neuen verbinden.
Affektive Hemmung: Starke Gefühlserlebnisse beeinträchtigen zuvor
aufgenommene Lerninhalte.
a)
Wiederholen: Man schneidet bei einer Prüfung besser ab, wenn man den
Stoff zu Beginn des Semesters oder Schuljahrs liest und dann nochmals ab und zu
alles durchliest. Bei systematischer Wiederholung braucht man weniger Zeit, um
das zu behalten, was gelernt wurde (Methode der Ersparnis)
b)
Verteilen: Es ist günstiger den Lernstoff nicht massiert in kurzer
Zeit (knapp vor einer Prüfung) einzuprägen, außer man hat die Absicht, den
Stoff möglichst bald wieder zu vergessen.
c)
Akzentuieren und Überblick verschaffen:
d)
Aktives
Rezitieren: Es empfiehlt
sich, beim Lernen einfaches Lesen mit aktivem Rezitieren abzuwechseln. Aufsagen
führt zu aktiver Aufmerksamkeit statt zu passiver Aufnahme und bewirkt, dass
das Material nicht nur wiedererkannt wird, sondern frei reproduziert werden
kann, besonders, wenn man Punkt c) berücksichtigt. Dann wird der Inhalt nicht
nur mechanisch wiedergegeben, sondern in seinem Sinn erfasst.
e)
Gedächtnishemmungen
vermeiden: Es sollte nur eine
Sache gelernt werden, nicht hintereinander Verschiedenes. Wenn an einem Tag
mehrere Inhalte eingeprägt werden sollen, dann müssen dazwischen Pausen
eingelegt werden, in denen man etwas ganz anderes macht (manuelle Tätigkeit,
spazieren gehen[3])
Schlussfolgerungen: Das konzentrierte Lernen eine Woche lang vor Schularbeiten und Tests führt zu großen Lernnachteilen in genau den Fächern, auf die man sich gerade vorbereitet (hoher Aufwand, Vergessen nach der Prüfung, hoher Aufwand beim Wieder-Einarbeiten beim nächsten Termin) und zu einer Vernachlässigung der anderen Fächer und dann wiederum dort zu einer Aufholjagd. In manchen Fällen entsteht so eine (unwürdige) Hetzjagd von einem Termin zum nächsten, und das mit wenig Nutzen, weil ja vieles, was man auf diese Methode sich erarbeitet, umgehend den sprichwörtlichen Bach hinunterrinnt. Dies ist für alle Seiten frustrierend.
Die beste Basis
für das erfolgreiche Bestehen von Prüfungen aller Art ist ein klarer
Tagesablauf [4], in dem konzentriertes
Lernen in verschiedenen Gegenständen mit Pausen kontrastiert, und zwar
über lange Zeiträume hinweg. Dies führt zu einem Mehr an Freizeit, die man dann
auch bewusst genießen kann, höherem Lernerfolg, Gelassenheit in
Prüfungssituationen und letztlich zu einer höheren Lebensqualität.
Bildung / Allgemeinbildung besteht nicht nur aus Wissensinhalten, sondern auch aus der Fähigkeit, sich ein Wissen aneignen und aufbauen zu können.
[1]
Untersuchung der
Gedächtnisleistung nach Hermann Ebbinghaus u. a.: Untersuchungen
an Versuchsgruppen - Merkleistung bei sinnlosen Silben
[2]
Während des ersten Tages
werden 70% vergessen, am zweiten Tag weitere 10%, vom Rest bleibt etwa die
Hälfte relativ lange im Gedächtnis
[3]
Nicht: Fernsehen, laute oder aggressive Musik, Stress, ...
[4]
Terminkalender benutzen!