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Die lateinische Sprache

Die lateinische Spache wurde ursprünglich nur vom Stamm der Latiner im westlichen Mittelitalien (Latium) gesprochen. Das in Latium gelegene Rom dehnte im Laufe der Jahrhunderte seinen Machtbereich immer weiter aus, bis es ganz Italien beherrschte. So wurden die vielen anderen italischen Dialekte und ebenso im Norden das Etruskische und Keltische und allmählich auch im Süden das Griechische der Kolonien durch das Lateinische verdrängt und ersetzt. Und als sich der Begriff imperium Romanum von römischer Befehlsgewalt zum römischen Weltreich im Mittelmeerraum erweiterte, wurde Latein auch die Sprache der außeritalischen Provinzen.Vor allem im Westen und Norden des Reiches, d. h. auf der iberischen Halbinsel, in den keltischen (Frankreich, Süddeutschland, Österreich) und illyrischen Ländern (Ungarn, Rumänien, Bereich des ehemaligen Jugoslawiens) und an der Nordküste Afrikas setzte sich Latein durch. In vielen Teilen des Ostens blieben freilich trotz der lateinisch sprechenden Verwaltungsbeamten immer das Griechische und orientalische Sprachen lebendig.

Aus der lateinischen Alltagssprache des Volkes, aus dem sogenannten Vulgärlatein ("vulgaris" = "Volks-"), bildeten sich die romansichen Sprachen: Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch.

Auch Englisch hat, obwohl es keine romanische Sprache ist, einen sehr hohen Anteil nicht nur an lateinischen Fremdwörtern (über 50%), sondern auch an Wörtern, die auf das Altfranzösische zurückgehen (Erweiterung des Wortschatzes des Angelsächsischen nach der Invasion der Normannen).

Folgende Unterscheidungen sind zu treffen:

Erbwörter gehen auf gemeinsame Vorstufen des Lateinischen und Germanischen zurück (wie auch die Sprachen anderer Völker von den Indern und Iranern über die Griechen und Slawen bis zu den Kelten).
Beispiele: est-
ist, sunt-sind, pater-Vater, mater-Mutter, in-in, longus-lang, rota-Rad, sedere-sitzen, stare-stehen, augere-auch-nickname,
ebenso Zahlwörter u.v.m.

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Lehnwörter wurden in der Zeit, als die Germanen innerhalb oder nächst den Grenzen des römischen Reiches wohnten und viele Einrichtungen von den Römern übernahmen, aus der lateinischen Sprache entlehnt und dem Germanischen angepasst. Diese Wörter haben sich oft noch lautlich stark verändert. Es sind Wörter aus den Bereichen Handel, Bauwesen, Landwirtschaft, Schriftkultur und aus dem kirchlichen Leben, z. B. mercatus>Markt, moneta>Münze, (via) strata>Straße, murus>Mauer, tegula>Ziegel, pondus>Pfund, fenestra>Fenster, vinum>Wein, magister>Meister, scribere>schreiben,
u. v. m..
Die Lehnwörter zeigen, wie sehr die römische Kultur in der Antike und im Mittelalter die Kultur und Lebensweise der germanischsprachigen Stämme mitgeprägt hat.

Fremdwörter: Obwohl das römische Reich im 5. Jahrhundert zerbrach, lebte Latein als Sprache der Kirche, der Verwaltung, der Naturkunde, der Geschichtsschreibung, ja sogar teilweise der Dichtung und vieler anderer Zweige der Bildung und Wissenschaft nicht nur im romanischen, sondern auch im germanisch-deutschen Kulturraum weiter. So gelangte die bei weitem größte Gruppe lateinisch-stämmiger Wörter als Fremdwörter ins Deutsche. Diese Wörter sind am wenigsten gegenüber ihrem jeweiligen Vorbild verändert,
z. B. natio>Nation, auctor>Autor, auctoritas>Autorität, libertas>liberty (engl), popularis>populär usw.

Auch in neuer und neuester Zeit bedienen sich Wissenschaftler bei der Benennung neuer Dinge und Erkenntnisse lateinischer Wörter oder Wortbestandteile, z. B. Fusion, Induktion, Valenz, Quanten-, Mutation, Kontra-Indikation, dis-lozieren, prä-natal, Post-moderne, Video, Emission, Computer ...

Es gibt daher keine Schwierigkeit, Dinge des modernen Lebens mit lateinischen oder griechischen Bezeichnungen zu versehen: Sie sind bereits so bezeichnet!

So findet das Lexicon Recentis Latinitatis der Libraria Editoria Vaticana, Rom 1992 (deutsche Ausgabe 1998), mit überraschend (oder vielmehr nicht überraschend) wenigen Eintragungen sein Auslangen.

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Lesenswert:
Andreas Fritsch (Universität München),
Comenius und der heutige Lateinunterricht. Zugleich ein Blick auf die Geschichte des Lateinsprechens an der Schule.

Über das Verhältnis des Lateinischen zur Gruppe der indogermanischen Sprachen siehe Vergleichende Sprachwissenschaft (Universität Würzburg)

 

 

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