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Latein abschaffen? Forderungen nach einer Abschaffung des Lateinunterrichts oder (gemäßigter) nach einer Wahlmöglichkeit zwischen Latein und anderen Gegenständen (insbesondere lebenden Fremdsprachen) wurden und werden immer wieder vorgebracht, sind in nicht wenigen Bereichen auch bereits realisiert. Exemplarisch
sei in diesem Zusammenhang eine noch nicht lang zurückliegende Initiative des
damaligen Bildungssprechers der Österreichischen
Volkspartei, Werner Amon, erwähnt: Latein gehöre abgeschafft, ein Versuch, für
Latein am Gymnasium zu argumentieren, sei Zeichen des Mangels genau jener Herzensbildung,
für die Latein ja stehe; wer für Latein argumentiere, der befürchte den Untergang des
Abendlandes, und "irgendwelche philosophischen Ideen" (sic!) lassen sich ja auch
anders unterbringen ... ___________________________ Die Auseinandersetzung um den Wert des Lateins (ebenso des Griechischen) darf nicht von Haus aus gescheut werden: Die Vertreter eines Faches sind eben gefordert, Antworten auf die ihnen gestellten Fragen zu geben, ihre eigenen Standpunkte zu begründen oder zu hinterfragen, gegebenenfalls auch Änderungen mitzutragen, z. B. bei Lerninhalten, Lehrmethoden, Anforderungen usw. So sind nicht nur die Schüler zu motivieren, sondern auch deren Eltern, die Schulpolitik und schließlich die Öffentlichkeit, die durch ihre Steuerleistungen die Finanzierung des Schulbetriebs erst ermöglicht. |
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich vieles geändert -
auch im Lateinunterricht: Es ist nicht befriedigend, ständig betonen zu müssen, man "brauche" Latein für dieses und jenes, wenn auf der anderen Seite laufend gesagt wird: "Ja, aber ..." Die Frage nach der Nützlichkeit, nach der Verwertbarkeit (im ökonomischen Sinn) kann vieles nicht erfassen, was unser Leben lebenswert macht. So wichtig es sein mag zu fragen: "Was bringt mir das?", so groß ist auch die geistige Verarmung, wenn ich diese Frage zum wesentlichen Maßstab meiner Entscheidungen erhebe. Inzwischen steht freilich infolge einer unseriös geführten PISA-Debatte das Gymnasium als Ganzes (zu Unrecht) im Visier seiner Gegner. Jedenfalls hinterließe Latein bei unserer gewachsenen Tradition, bei der bestehenden Aufteilung der Unterrichtsziele auf die vorhandenen anderen Unterrichtsgegenstände eine Lücke, die kein anderer Gegenstand im Gymnasium füllen könnte. |
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