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Univ.-Prof. Dr. Herwig Krenn Im Zusammenhang der in den letzten Wochen in den Medien geführten Diskussionen um die Notwendigkeit des Unterrichtsfaches Latein fällt unangenehm auf, dass sich unter den Gegnern der lateinischen Sprache immer mehr Personen zu Wort melden und dabei eine Kompetenz beanspruchen, die sie einfach nicht besitzen. Dementsprechend werden gegen Latein Argumente vorgebracht, über die kompetente Leute vom Fach nur den Kopf schütteln können. Bei Latein kann anscheindend jeder mitreden, wenn er nur mit dieser Sprache gute oder schlechte Erfahrungen gemacht hat. Warum müssen sich Lateinlehrer, wo es doch auch um ihre berufliche Zukunft geht, zum Teil hanebüchene Argumente von nicht kompetenten Leuten anhören, die sie nur mehr mit mühseligen Leserbriefen entkräften können?
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Wer behauptet, die Juristen und Mediziner bräuchten kein Latein, weil diese Sprache im Studium und in der beruflichen Praxis offenbar keine Rolle spielt, hat nicht begriffen, warum man an der Schule Latein lernt. Ich will das Problem auf den Punkt bringen: Latein lernt man nicht, weil man es später einmal als Sprache braucht. Latein lernt man vielmehr, weil man durch die jahrelange und mühevolle Auseinandersetzung mit einer schwierigen Fremdsprache, die man noch dazu in die Muttersprache übersetzen muss, eine äußerst wertvolle linguistische und sprachanalytische Schulung erhält, die sich sehr positiv auf die Erlernung der Muttersprache und anderer Fremdsprachen auswirkt. Warum wird die Frage nach der "Brauchbarkeit"immer nur im Zusammenhang des Lateinischen gestellt? Lernt man im Mathematikunterricht die Differential- und Integralrechnung deshalb, weil man sie im späteren Leben einmal braucht? Auf diese Frage eine Antwort zu geben bzw. für den Mathematikunterricht zu plädieren, ist ungleich schwieriger als die Notwendigkeit des Lateinischen argumentativ zu begründen! Presse"-Leserbrief am 2.3.2002 © Die Presse
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