Horaz

 

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Horaz, carmen 1, 29-36

me doctarum hederae praemia frontium

dis miscent superis, me gelidum nemus

Nympharumque leves cum Satyris chori

secernunt populo, si neque tibias

Euterpe cohibet nec Polyhymnia

Lesboum refugit tendere barbiton:

quod si me lyricis vatibus inseres

sublimi feriam sidera vertice.

   

 

Mich hebt der Efeu, Lohn für eine gelehrte Stirn
zu den Göttern des Himmels, mich sondern der kühle Wald
und leichtfüßige Tänze der Nymphen zusammen mit den Satyrn
ab vom Volk, wenn Euterpe nicht das Flötenspiel versagt und Polyhymnia
nicht davor zurückschreckt, die Saiten der Dichter aus Lesbos zu spannen.
Aber wenn du mich unter die lyrischen Sänger reihst,
dann werde ich die Sterne mit meinem Haupt berühren.

Anmerkungen:
 Der Dichter erzeugt ein Gegenbild zu den (in den vorangegangenen Versen angeführten) Zielen anderer Menschen, die durch sportliche Spitzenleistungen oder durch das Ringen um Macht gleichsam göttliche Verehrung genießen wollen. Der Efeukranz, dem Gott Dionysos geweiht, kontrastiert hier mit dem Lorbeerkranz der Olympiasieger und der Politiker.

Die Sterne deuten darauf hin, dass durch Dichtung etwas Bleibendes entsteht, das über zeitlich begrenzte Erfolge hinaus Gültigkeit hat.

Dichtung entsteht an einem Ort der Ruhe: Die Leichtfüßigkeit der Nymphen findet sich abseits von Kriegslärm und dem Getrampel von Soldaten, aber auch abseits der Jagd nach Geld oder Trophäen.
 Dichtung ist angewiesen auf die Gnade der Musen.(Begabung, Bildung), aber auch auf Menschen, die diese fördern.

 

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