Bildungswert

 

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Der Bildungswert des Griechischunterrichts

Für den Bildungswert des Griechischunterrichts gilt sinngemäß vieles, was auch für den des Lateinunterrichts gilt, wobei aber wesentliche Unterschiede bestehen, nicht nur in den inhaltlichen Schwerpunkten:

Eine der großen Leistungen der Römer bestand ja darin, sich schöpferisch mit der griechischen Kunst und Kultur zu beschäftigen, diese der Nachwelt zu vermitteln. Die Römer fanden dabei eine schier unermessliche Fülle bereits vor (zur Verdeutlichung der Größenordnung: Die berühmte Bibliothek in Alexandria enthielt zuletzt, d. h. vor ihrer Zerstörung 48 v. Chr., etwa 700.000 Bände). Manche haben die Römer deshalb auch als die "ersten Humanisten" bezeichnet.

Doch wie war es zu diesem Reichtum gekommen? Wie hat er sich entwickelt?

Die griechische Literaturgeschichte beginnt bei Homer (Mitte 8. Jh.), der selbst in einer Zeit gewaltiger Umbrüche lebt, der an bestimmte Aspekte einer großen Vergangenheit, der Blütezeit der mykenischen Palastkultur (15.-12. Jh.), erinnert, und zwar mit einer jahrhundertelang in Form mündlicher Dichtung tradierten und daher in vielen Punkten zu seiner eigenen Zeit bereits überholten Sprache. Mit Hilfe der eben erst von den Phönikiern übernommenen und an die Gegebenheiten des Griechischen adaptierten Schrift gelingt es ihm, ein Werk (die Ilias) zu komponieren, das nicht nur den Beginn, sondern bereits den ersten Höhepunkt der griechischen Literatur darstellt. Unter seinem Namen sind uns auch weitere Werke überliefert, wobei die Odyssee die bekannteste ist.

Das Weltbild, das uns in den homerischen Texten begegnet, war in der griechischen Welt von Anfang an Gegenstand von Auseinandersetzungen. So ist vieles, was in den folgenden Jahrhunderten entstand, Folge von (mitunter heftiger) Kritik an Homer oder von Verteidigung Homers (z. B. mittels allegorischer Exegese), auch der weiteren Ausgestaltung der mythischen Ereignisse sowie deren Deutung und Bewertung aus jeweils neu gewonnenen Perspektiven.

Dazu kommt der gewaltige Horizontgewinn als Folge der Neugründung zahlreicher griechischer Städte im Mittelmeerraum ab dem 7. Jahrhundert vor Christus, wie auch das große Interesse der folgenden Jahrhunderte an ethnographischen, historischen und geographischen Gegebenheiten zeigt.

 



Die griechische 2-Euro-Münze stellt eine Szene aus einem  Mosaik in Sparta (3. Jh. n. Chr.) dar,  die die Entführung Europas – der mythologischen Figur,  nach der unser Kontinent benannt ist – durch Zeus in Gestalt eines Stiers zeigt. 


Die griechische 1-Euro-Münze zeigt die Eule, die auf einer 4-Drachmen-Münze des antiken Athen (5. Jh. v. Chr.) zu sehen ist. 


Das Motiv der griechischen 1-Cent-Münze zeigt das fortschrittliche Modell einer athenischen Trireme - des für über 200 Jahre größten seegängigen Kriegsschiffs – aus der Zeit der Athener Demokratie (5. Jh. v. Chr.). 
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Bemerkenswert ist, dass die Entwicklung des wissenschaftlichen Beobachtens und Denkens mit den Mitteln der eigenen Sprache erfolgt, etwas Einmaliges in der europäischen Geistesgeschichte (später orientierte man sich am Griechischen).

Selbst Cicero muss an zahlreichen Stellen noch ausführlich begründen, warum er für von ihm behandelte Themen lateinische, nicht griechische Termini verwendet und kommt doch am Griechischen, das längst Weltsprache geworden war (und im Osten des Reiches bis ins 15. nachchristliche Jahrhundert auch geblieben ist), nicht vorbei.

Wer heute die griechische Sprache lernt, spürt diesem Weg nach - zumindest entlang einiger wesentlicher Stationen - und begibt sich auf eine Entdeckungsreise unmittelbar zu den Wurzeln dessen, was uns aus unserer Umwelt so selbstverständlich geworden ist.

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Wer die Vergangenheit nicht kennt ... -
Ζτημα προσωπικτητος – Eine Frage der Persönlichkeit (Jennifer Jursitzky)

 

 

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