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Latein- und was springt dabei heraus?

Von Klaus Bartels

Latein lernen, Griechisch lernen: darüber kann die Schulglocke leicht fünfhundertmal, leicht tausendmal läuten, vom Schädelbrummen bei den Hausaufgaben einmal ganz abgesehen. Latein oder nicht Latein, das ist heute die Frage. Über den Luxus einer modernen humanistischen Bildung.

Latein oder nicht Latein, und etwa gar: Griechisch oder nicht Griechisch, das ist hier die Frage. Darüber wird in letzter Zeit mehr als früher monologisiert und dialogisiert, geredet und geschrieben. Wie viele Köpfe, so viele Sinne und so viele Sichten - bis hin zu dem real existierenden Vater, der erst seinem Sohn eine Griechischmatura verpassen wollte, weil er darin so etwas wie einen siebten Bildungshimmel sah (ohne Erfolg, natürlich), und dann seiner Tochter das Griechischlernen verbot, weil er um ihre Heiratschancen fürchtete (mit Erfolg, jedenfalls was die Chancenwahrung betrifft).

Latein lernen, Griechisch lernen: darüber kann die Schulglocke leicht fünfhundertmal, leicht tausendmal läuten, vom Schädelbrummen bei den Hausaufgaben einmal ganz abgesehen. Was kommt dabei heraus? Es ist die alte, immer neue Frage, die der platonische Sokrates einmal für einen jungen Schützling an den Star-Sophisten Protagoras richtet: "Und was wird für ihn dabei herausspringen, wenn er bei dir in die Schule geht? Das würde er gern erfahren . . ."

Warum ich selbst damals, vor einem halben Jahrhundert, Latein und dann auch Griechisch gelernt habe? Das war keine "Wahl" wie heute; mein Vater, Experimentalphysiker, steckte seinen zehnjährigen Jüngsten in ein humanistisches Gymnasium - das gab es damals noch -, weil er selbst einmal Griechisch gelernt und später mit den "Griechen" unter seinen Physikstudenten gute Erfahrungen gemacht hatte. "Gewählt" habe ich die alten Sprachen dann erst fürs Studium, nach langem Schwanken zwischen Mathematik und Physik hüben, der Klassischen Philologie drüben. Dass die Antike die "Wiege", der "Quellgrund" der europäischen Kulturtradition ist, pfeifen die Spatzen von allen Dächern, und manche so schön, als wären sie Nachtigallen. Aber der summarische Begriff "Antike" täuscht wie die idyllischen Bilder leicht über die Mächtigkeit dieser Epoche hinweg. Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock - das reiht sich so aneinander. Aber mit den 14 Jahrhunderten von Homer im achten Jahrhundert vor Christus bis zu Boëthius im sechsten Jahrhundert nach Christus umfaßt diese eine "Antike" die gleiche Spanne wie alle die folgenden Epochen miteinander, bis zur allerjüngsten Postantike, dieser sogenannten Postmoderne. Es geht bei dieser "Antike" nicht bloß um eine "Wiege" oder einen "Quellgrund", nicht bloß um "Anfänge" und "Ursprünge", sondern um die ganze erste Hälfte der in Wort und Schrift überlieferten Geistes- und Kulturgeschichte Europas.

Zu der Tiefe kommt die Weite: Die Schulfächer "Griechisch" oder "Latein"

bezeichnen diesen Chiffren zum Trotz nicht eine einzelne Disziplin wie "Mathematik" oder "Physik", "Biologie" oder "Chemie", sondern eine ganze Kultur quer über alle Lebensbereiche hinweg. Die äußere Fächervielfalt des Gymnasiums hat ein Gegenstück in der inneren Fächervielfalt der alten Sprachen. Die griechische Mathematik und die Naturwissenschaften gehören geradeso dazu wie die musische Literatur, das politische Denken geradeso wie die Geschichtsschreibung, das römische Recht geradeso wie die Gesellschaftskritik eines Seneca, eines Petron, eines Martial. "Greift nur hinein ins volle Menschenleben!" möchte man den Lehrenden da aufmunternd zurufen, "und wo ihr's packt, da ist's interessant..."

So kann dieser "humanistische", auf den Menschen bezogene Unterricht im kreisenden Karussell des wöchentlichen Stundenplans zu einer ruhenden Mitte werden: durch Brückenschläge zu den modernen Sprachen und Literaturen, zur Geschichte, zur Mathematik, zu den Naturwissenschaften. Alle diese Fächer haben ihren Ursprung ja in der Antike, und so ist der altsprachliche Unterricht ein guter Ort, das gelockerte, wo nicht gerissene Band zwischen Natur- und Geisteswissenschaften wieder neu zu knüpfen. Nichts wäre unsinniger, als die hergebrachte humanistische und die neue naturwissenschaftliche Bildung gegeneinander ausspielen zu wollen; Platon wäre gewiß der erste, für noch mehr Mathematik, Aristoteles der erste, für noch mehr Naturwissenschaften zu plädieren (beide auf Kosten des Lateins, versteht sich). Im Gegenteil, erst im Verein mit diesen "modernen" Schulfächern und erst im Bezug auf die Gegenwart kann eine humanistische Bildung ihre Stärken voll zur Geltung bringen.

Das also ist das weite Feld, das wir "Klassischen" Philologen an der Schule zu bestellen haben. Und an uns als erste ist die Frage jenes platonischen Sokrates gerichtet: "Und was wird für eure Schülerinnen und Schüler dabei herausspringen, wenn sie bei euch alte Sprachen lernen? Das würden sie gern erfahren . . ." Zunächst zum Sprachlichen. An dieser Stelle pfeifen die Spatzen wieder von den Schulhausdächern, daß das Italienische, das Französische, das Spanische und das Portugiesische (und übrigens auch das Rätoromanische in den Bündner Bergen und das Rumänische hinter den Sieben Bergen) Tochtersprachen des Lateinischen sind, das heißt: daß ein Lateiner auf die Sprachen halb Europas und ganz "Latein"-Amerikas einen kräftigen Rabatt bekommt.

Noch mehr: Auch das Englische, von Haus aus eine germanische Sprache, ist ja durch den mächtigen Zustrom lateinischstämmiger Wörter seit dem Normanneneinfall im elften Jahrhundert zu einer Art "Adoptivtochter" des Lateinischen geworden.

Natürlich macht sich das Lateinlernen nicht schon beim Italienischen bezahlt. Aber die Gratisbeigabe ist nicht zu verachten: Wer sich mit der Mutter auch nur einigermaßen versteht - und hier genügt bereits ein vergleichsweise bescheidenes Quentchen Basic Latin -, hat mit den Töchtern leichtes Spiel.

Noch bedeutsamer ist eine zweite Mutterschaft: In der Kulturgeschichte der letzten zwei, drei Jahrtausende sind das Griechische und das Latein jenseits aller Sprachverwandtschaft zu Muttersprachen der europäischen Kultur geworden. Sie leben fort in einem nach vielen Tausenden zählenden "Fremd"-Wortschatz, der in Wahrheit unser gemeinsamer "mütterlicher" "Euro"-Wortschatz ist. In so gut wie allen Lebensbereichen bezeugt die Allgegenwart griechischer und lateinischer Wörter die nachhaltig prägende Wirkung der klassischen und der christlichen Antike bis in die jüngste Gegenwart herein; die antiken Wortstämme mit ihren unverkennbaren Kopfstücken und Schwanzstücken sind die strahlenden Tracer-Elemente in den vielhunderterlei Strömen und Flußläufen, Sturzbächen und Rieselfeldern dieser quicklebendigen Kulturtradition.

Zumal die Wissenschaften haben ihren unersättlichen Fachwörterbedarf seit alters und bis heute aus dem Riesen-Wörtersteinbruch der alten Sprachen gedeckt. Quer durch alle Fakultäten bilden die griechischen und lateinischen Termini technici den Fachwortschatz der Wissenschaft. Auch im modischen englischen Kostüm, mit dem neuen Oxford- oder  Houston-Akzent, sind die alten Sprachen die heimlichen Weltsprachen der Wissenschaft geblieben. Man markiere in einem englischen "Paper" einmal mit Rotstift alles Griechisch- und Lateinischstämmige, und man wird sehen, wie der Text von der Kopfzeile bis in die letzte Fußnote tief errötet. Dieses Anglogriechisch und Anglolatein zu verstehen, braucht es wohl ein gehöriges Quantum Englisch, aber ein gerütteltes Quantum Griechisch und Latein käme dem Leser da doch sehr zupaß - und wenn's nur darum ginge, zu sehen, wo beim "Otorhinolaryngologen" die Ohren aufhören und die Nase anfängt, die Nase aufhört und der Schlund sich auftut. Vom Vergnüglichsten freilich schweigen die Spatzen: von der Lust, auf dem geschichtsträchtigen Boden der Sprache gleichsam Archäologie zu treiben. Wort-"Schätze" muß man nicht erst entdecken und ausgraben; sie liegen offen zutage, man braucht sie nur aufzuheben. Da zeigt sich zum Beispiel, daß jeder "Arzt" ein wahrer "Erz"-Doktor und Chefarzt ist, daß im "Clown" ein "colonus", ein Bauerntölpel, und im "Strolch" ein schlauer "Astrologe" steckt, daß der rund um die Welt rotierende "Tourist" aus einer griechischen Drechslerwerkstatt kommt und "Porzellan" aus einem römischen Saustall, daß der "Kanzler" eigentlich hinter Gitter gehört, daß die alte Berenike auf jeder "Vernissage" Ehrengast ist und so fort. Vollends spannend wird dieses unendliche Puzzle mit Wortstamm und Endung, Präfix und Suffix, Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung erst aus der Tiefenperspektive der alten Sprachen. Dann allerdings gerät das Spiel noch leicht zum Spleen - auch dieser "Spleen" ist ja ein alter Grieche und bedeutet einfach, daß die Sache einem auf die "Milz" geschlagen ist.

 


 Genug von den nackten Wörtern; nun zu den Textilien - Pardon: zu den Texten, in denen die Wörter gewissermaßen zu sinnvollen Mustern und Bildern verwoben sind. Anders als das vielleicht vor hundert Jahren war, lehrt die Schule Latein und Griechisch ja nicht um dieser Sprachen, sondern um der lateinisch und griechisch geschriebenen Texte willen. Die strenge Frau Grammatica, die sich an der Schule meist noch ein wenig strenger gibt als sonst im Leben, hat ihre unbestrittenen faszinierenden Reize; aber erst die ansprechende Lebensnähe eines Achilleus oder eines Hektor, eines Oedipus oder einer Antigone, eines Diogenes oder eines Trimalchio und wie die Hunderte Gestalten alle heißen, erst der Gegenwartsbezug der grundlegenden Denkmodelle von Mensch und Gott, Glück und Unglück, Muße und Unmuße, Zeit und Geschichte, Staat und Gesellschaft, Natur und Technik geben einer modernen humanistischen Bildung ihren eigentlich "menschengemäßen" Sinn. Greifen wir aus der Fülle von Beispielen, die sich hier anführen ließen, einige wenige heraus, zu denen es nicht vieler Worte bedarf.

Stichwort 1: Feuerdiebstähle. Der Mythos erzählt, wie Prometheus den Menschen das Feuer und die hephaistische Technik, Pflugschar und Schwert, gebracht hat und wie Zeus die Menschen dafür mit einem Pandorafaß voller Krankheiten und einer drastischen Lebensverkürzung bestraft hat. Von einer Rückgabe des geraubten Feuers ist da nicht die Rede: Wissen, das einmal losgelassen ist, läßt sich nicht mehr zurückrufen. Ein Mythos aus "mythischer Zeit" und zugleich für unsere Zeit: Mit der Entfesselung der Nuklearkräfte hat unsere Generation ja eben einen zweiten solchen Prometheus-Raub staunend und schaudernd erlebt, und ein dritter solcher Raub, die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, wird derzeit weltweit mit höchster krimineller Energie vorangetrieben.

Stichwort 2: Der einzelne und sein Name. Auf steinernen Stelen am Grabhügel von Marathon verzeichneten die Athener die Namen aller 192 im Jahre 490 vor Christus dort gefallenen Mitbürger. Und Herodot bekräftigt, er kenne die Namen aller genau 300 Spartiaten, die im Herbst 480 vor Christus an den Thermopylen "den Gesetzen gehorchend" ihr Leben opferten. Das Gegenbild, auch dies bei Herodot: Beim Übergang nach Europa zählten die Perser damals ihre Streitmacht: Sie brachten abgezählte 10.000 Mann auf einen Platz, pferchten sie mit Seilen zusammen, so eng es ging, markierten den Umkreis am Boden und mauerten darüber einen nabelhohen Pferch auf. Diesen 10.000er-Pferch füllten sie einmal ums andere, wieder so eng es ging, "gerüttelt" voll: Menschenmaterial im Hohlmaß.

Stichwort 3: Die Demokratie. Auf Platons späte "Gesetze" geht der gewöhnlich unter dem Namen Friedrichs des Großen laufende Satz zurück, daß der König der erste Diener des Staates sei: "Diejenigen, die man sonst die ,Regierenden' nennt, habe ich jetzt ,Diener an den Gesetzen' genannt, nicht um der Neuschöpfung eines Schlagwortes willen, sondern in der Überzeugung, daß hierauf mehr als auf allem anderen die Sicherheit für den Staat als auch ihr Gegenteil beruht . . . Wo immer das Gesetz Herr ist über die Regierenden, die Regierenden Sklaven des Gesetzes sind, sehe ich für diesen Staat Sicherheit und überhaupt alles Gute sich einstellen, das die Götter einem Staat irgend stiften können." Und im Anschluß daran schreibt Antigonos II. an seinen Sohn: "Weißt du denn nicht, daß unsere Königsherrschaft ein ehrenvoller Sklavendienst ist?"

Stichwort 4: Die politische Mitte. Im vierten Jahrhundert vor Christus hat Aristoteles zwischen dem "Volk" und den "wenigen", wie die politischen Lager damals hießen, die politische "Mitte" entdeckt und als erster eine Politik der Mitte propagiert: Ein starker Mittelstand und eine konsequente Politik der Mitte biete die beste Gewähr für politische Stabilität; dazu sollte sich das "Volk", einmal an der Macht, weithin die Interessen der "wenigen" und entsprechend diese "wenigen", einmal an der Macht, weithin die Interessen des "Volkes" zu eigen machen. Auf Aristoteles und den zwei Jahrhunderte jüngeren Polybios, den Freund des jüngeren Scipio Africanus, gehen ja auch die aus je einem Teil Monarchie, Oligarchie und Demokratie "gemischten" Verfassungen zurück, die wir heute schlicht "demokratisch" nennen, so als erste die 1787 in Philadelphia ausgearbeitete Verfassung der USA. Thomas Jefferson, seit 1785 Gesandter in Paris, ließ damals sämtliche Ausgaben des Polybios, die er bei den Bouquinisten an der Seine auftreiben konnte, per Schnelldampfer an den Verfassungskonvent nach Philadelphia expedieren.

Die Parade der Paradebeispiele ließe sich leicht noch lange fortsetzen, und wir kämen dabei buchstäblich aus dem Hundertsten wenn nicht ins Tausendste, so doch ins Zwei- oder Dreihundertste. Es ist ein schier unerschöpflicher, in den wenigen Schuljahren nie auszuschöpfender Paradigmen-Fundus, auf den ein altsprachlicher Unterricht je nach den Interessen der Lehrenden und Lernenden und je nach den Anknüpfungspunkten in der Aktualität jederzeit zurückgreifen kann. Die Gegenwart aus der Perspektive der Antike oder vielmehr: aus den vielerlei Perspektiven der Antike gesehen, die Antike aus dem Blickpunkt der Gegenwart betrachtet, ein fortgesetzter kritischer Dialog über die Jahrtausende hinweg - das ist es, was ein humanistischer Unterricht heute als sein Bestes zu bieten hat.

Die Dimensionen unserer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme sind durch die rasanten Fortschritte auf vielerlei Feldern der modernen Technik und durch die unerhörte Akzeleration und Globalisierung aller Entwicklungen ins Kolossale gewachsen. Doch die wesentlichen Fragen der Antike sind bei alledem nur noch dringender, nur noch drängender geworden: Es sind die ursprünglich sokratischen Fragen nach dem Sinn und Ziel unseres Lebens und nach unserer Verantwortung für uns selbst und für unsere Mitmenschen, die nächsten und fernsten: "Ein nicht ständig in Frage gestelltes Leben", läßt Platon den 70jährigen in seiner "Verteidigungsrede" sagen, "ist nicht lebenswert für einen Menschen."

Neue Möglichkeiten, wie die Fortpflanzungsmedizin und die Gentechnologie sie eröffnen, fordern dringend neue Wertungen, neue Maßstäbe. Allenthalben werden heute Ethikkommissionen ins Leben gerufen. Nicht, daß wir von den Wertpapieren der Antike das eine oder andere unbesehen zum Nennwert nehmen wollten. Aber die so engagierte wie kontroverse Werte-Diskussion der "Schule von Athen" von Sokrates bis Seneca hat jahrhundertelang alles nur erdenkliche "Gute" und "Schlechte" präsentiert, diskutiert und kritisiert; ihre prinzipiellen Fragestellungen und ihre vielfach kontroversen Lösungsversuche können uns bei der Echtheitsprüfung allerlei alt- und neumodischer Werte beste Dienste leisten.

Nach 1968 ist die humanistische Bildung als ein Privileg des Bildungsbürgertums in Mißkredit gekommen. Zu Recht oder zu Unrecht - lassen wir es auf sich beruhen. Wenn junge Menschen heute Latein und Griechisch wählen, so nicht um der Familientradition, sondern um eines eigenen Interesses willen. Aber ein Luxus, und ein überaus kostspieliger, ist diese humanistische Bildung bis heute geblieben; sie kostet Sitzfleisch. Und der Club der Lateiner und erst recht der "Griechen" wird immer exklusiver. Natürlich gibt es auch Übersetzungen; manche sind so gut wie möglich, die meisten schlechter als nötig, manche für die alten Autoren und die ganze Antike sträflich rufschädigend. Aber ebenso natürlich kann keine Übersetzung das Original ersetzen; selbst die besseren gleichen einer grob gerasterten, mehr oder weniger verzerrten, entstellten Mona Lisa. Umso größer ist das rar gewordene Privileg derer, die Homers "Ilias" und "Odyssee" und Vergils "Aeneis", Sapphos und Catulls Gedichte, Platons unübersetzbar reizvolle Dialoge wie jenen "Protagoras", Petrons "Satiricon", Senecas "Briefe an Lucilius" und Martials geschliffene Epigramme im Original lesen können.

Von dem, was an Szenen und Worten, Liedern und Versen so recht zu Herzen geht, was daraus zum unverlierbaren, unvergeßlichen Besitz wird, haben wir hier wie von manchem anderen noch gar nicht geredet. Darüber läßt sich auch nicht leicht Allgemeines sagen; aber dafür stehe hier am Schluß noch diese Anekdote: Der Athener Solon hatte Freude an einem Lied der Sappho, das sein Neffe auf einem Symposion zur Kithara sang, und forderte den jungen Mann auf, es ihn doch sogleich zu lehren.

Als einer der Zuhörer fragte, warum er sich das so sehr wünsche, erwiderte er: "Damit ich es auswendig weiß, wenn ich einmal sterbe."

 

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