Amon

 

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18.12.2001 - Gastkommentare

Die Adepten der klassisch-humanistischen Bildung soll es auch künftig geben - aber freiwillig!

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!

Gastkommentar von Werner Amon

 Der Autor ist Bildungssprecher der ÖVP.

Mein Vorschlag, zukünftig Latein als Wahlpflicht- statt Pflichtfach in den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) zu führen, hat in den vergangenen Wochen zu einer lebhaften Diskussion geführt: Die Verteidiger zittern um den Fortbestand des Abendlandes, führen empirisch großteils widerlegte wünschenswerte Nebenwirkungen des Lateinunterrichts ins Treffen und versteifen sich zur Behauptung, daß es ohne Latein um die Allgemeinbildung geschehen wäre.

Dieser These wäre vielleicht sogar zuzustimmen, würde Latein heute noch zum Kern der Allgemeinbildung gehören. Doch ein Blick in die Lehrpläne beweist: Nur mehr eine einzige AHS-Form sieht Latein verpflichtend vor, und selbst diese ist der Meinung, daß Latein ab der fünften Klasse vollkommen ausreichend ist. Von österreichweit 160 Gymnasien entschieden sich bereits 111 mittels Schulversuch vom Lateinunterricht ab der dritten Klasse abzusehen.

Auch überrascht es immer wieder, daß man die behauptete Notwendigkeit von Latein, vor allem aber dessen angeblich so hohe Bedeutung für unsere Kultur, Geschichte, Politik nicht allen AHS-Schülern zuteil werden läßt. Ist man von den Argumenten der Befürworter des Lateinunterrichts überzeugt, müßte man folgerichtig den verpflichtenden Unterricht für alle in Betracht kommenden Schüler fordern. - Davon ist aber in der bisher geführten Diskussion weit und breit nichts zu hören oder zu lesen.

Dabei geht es Lateinbefürwortern wie -gegnern letztlich um dieselbe Frage: Wie können wir sicherstellen, daß unsere Kinder auf die Herausforderungen ihres Lebens, ihrer Zukunft bestens vorbereitet sind und sich dieser gewachsen zeigen? Angesichts der Vielfältigkeit unserer Gesellschaft und des Lebens gilt es, Eltern und Schülern ein vielfältiges Angebot bereitzustellen. Dieses Angebot soll durchaus auch Latein enthalten, dieses muß aber nicht gewählt werden!

Diese Frage aber mit der behaupteten Notwendigkeit des Lateinunterrichts zu beantworten, scheint mir zu kurz gegriffen und ist überdies falsch: Gerade die kritischen Reaktionen auf meinen Vorschlag bewiesen mir, daß auch bei Fahnenträgern der humanistischen Bildung die von uns allen angestrebte Herzensbildung, um mit Pestalozzi zu sprechen, durch den Lateinunterricht in der Vergangenheit nicht sichergestellt worden ist!

 


 


Herz, Hand und Hirn - diese von Pestalozzi stammende Triade der Erziehungsziele versuchen wir mit nicht geringem Erfolg in unserem Bildungssystem umzusetzen, und selbstredend muß jedes Fach diesen Zielen genügen. Und Latein genügt ihnen ohne Zweifel: Das beliebte "Such das Verb"-Spiel beschäftigt das Hirn, und die Auseinandersetzung mit den Kardinaltugenden und anderen philosophischen und ethischen Ideen der Antike schult hoffentlich (siehe oben) das Herz! Bei der "Hand" als Methapher für praktische (Non scholae, sed vitae discimus!) Fähigkeiten mag es zwar etwas ins Hintertreffen geraten, doch das hat es auch mit anderen Fächern gemein.  

Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht Fächer gibt, die diese Ziele besser erreichen können als Latein. Und diese Frage beantworte ich im Unterschied zu den Lateinbefürwortern mit ja. Deswegen soll Latein aber nicht verschwinden.. Der steirische Landesrat Hirschmann argumentierte an anderer Stelle mit "Minderheitenschutz" und hier ist ihm vorbehaltlos zuzustimmen. Doch ob sich jemand zur exklusiven, humanistisch gebildeten Minderheit der Latein-Adepten zählt, sollte doch seiner Entscheidung vorbehalten bleiben!

Diese Frage aber mit der behaupteten Notwendigkeit des Lateinunterrichts zu beantworten, scheint mir zu kurz gegriffen und ist überdies falsch: Gerade die kritischen Reaktionen auf meinen Vorschlag bewiesen mir, daß auch bei Fahnenträgern der humanistischen Bildung die von uns allen angestrebte Herzensbildung, um mit Pestalozzi zu sprechen, durch den Lateinunterricht in der Vergangenheit nicht sichergestellt worden ist!

Herz, Hand und Hirn - diese von Pestalozzi stammende Triade der Erziehungsziele versuchen wir mit nicht geringem Erfolg in unserem Bildungssystem umzusetzen, und selbstredend muß jedes Fach diesen Zielen genügen. Und Latein genügt ihnen ohne Zweifel: Das beliebte "Such das Verb"-Spiel beschäftigt das Hirn, und die Auseinandersetzung mit den Kardinaltugenden und anderen philosophischen und ethischen Ideen der Antike schult hoffentlich (siehe oben) das Herz! Bei der "Hand" als Methapher für praktische (Non scholae, sed vitae discimus!) Fähigkeiten mag es zwar etwas ins Hintertreffen geraten, doch das hat es auch mit anderen Fächern gemein.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht Fächer gibt, die diese Ziele besser erreichen können als Latein. Und diese Frage beantworte ich im Unterschied zu den Lateinbefürwortern mit ja. Deswegen soll Latein aber nicht verschwinden.. Der steirische Landesrat Hirschmann argumentierte an anderer Stelle mit "Minderheitenschutz" und hier ist ihm vorbehaltlos zuzustimmen. Doch ob sich jemand zur exklusiven, humanistisch gebildeten Minderheit der Latein-Adepten zählt, sollte doch seiner Entscheidung vorbehalten bleiben! 

 

 © Die Presse | Wien

 

 

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