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"Wer die
Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nicht und kann nicht
versuchen, (aus: Orania Fallaci: "Die Wut und der Stolz")
Ζήτημα προσωπικότητος – Eine Frage der Persönlichkeit von Jennifer Jursitzky Griechisch, das der Familie der indoeuropäischen
Sprachen angehört, wurde seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend auf der
südlichen Balkaninsel und im ägäischen Raum gesprochen. Älteste schriftliche
Überlieferung, älteste Literatur Europas und, nicht zu vergessen, das Neue
Testament wurden in griechischer Sprache verfasst. Die Metamorphose vom
Altgriechischen (bis ca. 330 v. Chr.) über die Koine und das Mittelgriechische bis zum Neugriechischen (von 1453
bis zur Gegenwart) entspricht einer kontinuierlichen Entwicklung, die seit über
3000 Jahren ohne Unterbrechung erfolgt, wodurch man wiederum die Möglichkeit
erhält, Wandel und Kontinuität einer Sprache über einen dermaßen langen
Zeitraum hinweg zu studieren und somit Erkenntnisse über Gesetze der
Sprachentwicklung zu gewinnen. Die
Unterscheidung zwischen gesprochener und geschriebener Sprache bestand schon in
der Antike. Wer allerdings Altgriechisch, die Sprache Homers und Platons,
bewusst lernt, hat den Schlüssel zur Volkssprache bereits in der Hand, da man
im Rahmen des Unterrichts, aufgrund des großen Anteils an Konsonanten, insbesondere
im Wortschatz und in der Morphologie, mehr als 60% der gelernten Vokabeln auch
im Neugriechischen, mit Berücksichtigung des Klangbildes, gebrauchen kann. Die
Griechischgruppe, der fünf SchülerInnen angehören, hat diesen kommunikativen
Aspekt relativ weit verfolgt-
freiwillig, sozusagen zusätzlich, soweit entsprechendes Interesse und
Bereitschaft, auch Zeit und Arbeit zu investieren, vorhanden war und ist. Jeder, der sich vorgenommen hat, eine Fremdsprache zu
erlernen, wird der Behauptung zustimmen, dass dies nicht nur zwecks
Kommunikation geschieht, sondern auch, um sich dadurch dem Denken dieses
fremden Volkes zu nähern, um auf diese Art seinen Horizont zu erweitern. Und
schon allein aus diesem Grund ist die Auffassung, es handle sich beim Griechischen
um eine sogenannte "tote" Sprache, nicht angebracht. In dem Moment,
wo man mit einer Denkschule konfrontiert ist, darf der Begriff "tote
Sprache" nur noch mit größter Vorsicht bis überhaupt nicht verwendet
werden. Diese Ansicht hinter sich zu lassen, ist eine Notwendigkeit, wenn man
bedenkt, welche zeitgerechte und modern erscheinende geistige Grundlage sich
hinter dem Griechischen verbirgt. Der Schüler bzw. die Schülerin lernt die
Wiege unserer europäischen Kultur, die Basis der Demokratie und die Wurzeln
unseres Denkens kennen, die bekanntlich in der griechischen Kunst, Dichtung,
Philosophie und im Christentum liegen. Man wird sich der Herkunft und sogar des
eigenen Wesens bewusst, da man sich mit den Grundfragen der menschlichen
Existenz beschäftigt. Es sind Fragen und Antworten, die unser Denken und
Empfinden bis in die Gegenwart mitbestimmt und geprägt haben: Was ist richtig,
was ist gut, was ein glückliches Leben und was ist Wahrheit? - um nur wenige zu
nennen. Ein Volk zu finden, welches sich intensiver mit dem Phänomen des
Menschlichen auseinandergesetzt hat als das der Griechen, ist nahezu
unmöglich. Selbst der Auffassung der Frau als unabhängiges Wesen kommt man mit
Persönlichkeiten wie Antigone und Medea, die sich Ungerechtigkeiten nicht gefallen
ließen und sich, jede auf ihre Art und Weise, zur Wehr setzten, nach. Man
sollte sich von dem Gedanken verabschieden, dass man als "alter
Grieche" einen unumgänglichen Blick in die Vergangenheit werfen muss, denn
in den meisten Fällen sind es geschichtsorientierte Menschen, die das größte
Interesse an Gegenwart und Zukunft hegen. Es ist, denke ich, kein Geheimnis, dass dem
Griechischunterricht nachgesagt wird, er sei sinnlos, man brauche das, was man
lernt, nicht, und er sei vor allem in Hinsicht auf ein berufliches Weiterkommen
völlig nutzlos. Gut, ich könnte nun damit kontern zu behaupten, was bringe es
einem, eine Fremdsprache zu lernen, wenn man später einen Beruf ergreifen
möchte, in welchem das Augenmerk auf anderen Kenntnissen ruht. Dann wären wir
zwar von der Frage: "Warum die Schule nicht gleich auf das reduzieren, was
man später braucht?" Falls meine Worte den Eindruck einer Übertreibung
wecken, so möchte ich darauf hinweisen, dass die Frage der Legitimierung
altsprachlicher Bildung in großer Aktualität erscheint und ich es nur für
notwendig erachte, darzulegen, wie es um den Fortbestand des
Altgriechischunterrichts in Zukunft steht, vor allem in Hinsicht auf die Stundenkürzungen
von unserer Bildungsministerin, bei der ich mich, um die Gelegenheit zu nützen,
als Schülerin an dieser Stelle herzlich für die "Entlastung" bedanken
möchte. Wenn nämlich schon an der Notwendigkeit Latein zu unterrichten
gezweifelt wird, wie lange darf man dann noch mit Altgriechisch rechnen? In der vierten Klasse zeichnet sich erstmals die Lage
ab. Die Schüler werden mit zwei Sprachen, einer Entscheidung und vielen
Meinungen konfrontiert. Plötzlich wollen alle möglichen Leute wissen und darüber
bestimmen, was man in Hinblick auf die Zukunft brauche und was nicht. Lehrer,
Freunde und Bekannte fühlen sich dazu berufen, subjektive Ansichten und
Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit gesammelt haben, nun anzubringen. Ich
selbst wurde oft "gewarnt" diese Sprache zu lernen (aufgrund vorher
angeführter Gründe). Wie man sieht, bin ich dennoch den Weg gegangen, der mir
selbst als richtig erschien und den ich bis jetzt noch keinen Tag bereute
gewählt zu haben (auch wenn ich hier nur schwer das Gegenteil zugeben könnte).
Die Tatsache, dass ich altgriechisch lerne, heißt nicht, dass es mein Ziel ist,
in der Zukunft einen Beruf zu ergreifen, der Altgriechischkenntnisse erfordert.
Woran man sich als Schüler der griechischen Sprache allerdings gewöhnen sollte,
ist die Ansicht derer, die meinen, man vergeude seine Zeit, eine Sprache zu
lernen, die niemand mehr spricht. Es macht mir nämlich fast schon den Eindruck,
als existiere die Auffassung, eine Schule könne entweder Französisch oder
Altgriechisch anbieten, aber nicht beides. Und so soll es nun wirklich nicht
sein. Daher halte ich es nur für richtig, den Willen eines Menschen, eine
Sprache zu lernen, zu respektieren. Schwerpunkt dieses Beitrags besteht in folgender
Vergegenwärtigung: Altgriechisch soll
nicht darauf reduziert werden, einen erleichterten Zugang zur
wissenschaftlichen, politischen und technischen Terminologie wie zu Fremd- und
Lehnwörter und Eigennamen mit sich zu bringen, oder auf die Tatsache, dass es
Pflichtvoraussetzung diverser Universitätsstudien ist, - nein, im Vordergrund
sollte die Förderung der Persönlichkeit stehen, welche von Toleranz, Offenheit,
Kritikfähigkeit und somit auch Demokratiereife bestimmt ist. Jennifer Jursitzky, Griechischschülerin der 6a, im
Juli 2004 |
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